227. Kirkenes Juni 2026

13.06.2026

Nach dem Frühstück machen wir uns langsam auf zu unserer nächsten Etappe im Norden von Norwegen. Unser Ziel die kleine Ortschaft Grense Jakobselv.
Es handelt sich um eine Ortschaft in der Gemeinde Sør-Varanger im Osten der Provinz Finnmark im nordöstlichsten Norwegen. Grense Jakobselv liegt an der Mündung des Flusses Jakobselva in die Barentssee an der Grenze zu Russland. Der Ort liegt etwa 60 km östlich von Kirkenes und die letzten Kilometer legt man auf einer Schotterpiste direkt neben dem Grenzverlauf zurück. Wenn man Glück hat kann man hier oben Wale, Robben und Seeadler beobachten. Wir konnten zwar einen der letzten Parkplätze am Ende der Siedlung erhaschen, mit der Sichtung der o.g. Tiere hatten wir jedoch kein Glück. Selbst hier oben im Nichts gibt es kleinere Häuser und Siedlungen, sogar eine Schule und eine Kirche haben wir angetroffen. Am Nachmittag treten wir die Rückfahrt nach Kirkenes an. Hier übernachten wir direkt im Hafen gegenüber dem Anleger der Hurtigruten- und Havila-Postschiffe.


Früh am Sonntag stehen wir am besagten Anleger und gehen an Bord der Havila Capella. Wir wollen hier frühstücken. Sobald eines der Schiffe im Hafen liegt, kann man als Gast die Cafeteria nutzen und sich das Schiff anschauen. Für ein Frühstück am Buffet sind wir dann doch zu spät dran und gehen ins Bordcafé Havly. Bei Kaffee, Smørebrød und Svele (gefüllter Pfannkuchen) schnuppern wir ein wenig Bordatmosphäre. Im Anschluß wird das Schiff erkundet.

226. Grandvik Juni 2026

12.06.2026

Wir kommen erst gehen 12:00 h in die Gänge. Zu Fuß geht es zunächst zum Steilneset Denkmal unweit des Stellplatzes. Von 1600 bis 1692 wurden in der Finnmark 91 Menschen wegen Hexerei zum Tode verurteilt. Die meisten von ihnen lebten in Vardø, Vadsø oder nahegelegenen Orten. Zu den Opfern gehörten sowohl Norweger als auch Samen. Die Gedenkhalle Steilneset erinnert an die Hingerichteten. Das Bauwerk wirkt wie ein schwebender Kokon aus Stoff. Das Material ist mit Teflon überzogenes Fiberglasgewebe. Die Konstruktion erinnert an Gestelle der Fischer der Sami, auf welchen sie Fische trocknen. Die Gedenkhalle wurde vom Architekten Peter Zumthor entworfen. In der gläsernen Konstruktion befindet sich eine Installation der Künstlerin Louise Bourgeois. Ein beklemmendes Mahnmal an die Machenschaften der damalig herrschenden Kirche und Justiz. Die Gedenkhalle wurde vom Architekten Peter Zumthor entworfen. In der gläsernen Konstruktion befindet sich eine Installation der Künstlerin Louise Bourgeois.

Im Anschluß geht es weiter durch Vardø. Die nördlichste Stadt Norwegens gehört ganz eindeutig den Möwen. Sie brüten zur Zeit wirklich überall, überwiegend an verlassenen Häusern von denen es hier eine Menge gibt. An einigen Fassaden sind Street Art Kunstwerke abgebildet. Entstanden sind sie aufgrund des Komafestivals von 2012. Es wurde vom norwegischen Künstler Pøbel ins Leben gerufen. Ziel des Festivals ist es, verlassene und ungenutzte Gebäude in der Region durch Street-Art und kreative Interventionen in Kulturdenkmäler zu verwandeln. Unter anderem sind Werke von EB Itso, Ken Sortais, Pøbel, Steve Powers, Husk mit navn, Atle Østrem, Roa, Remed und Vhils zu entdecken. Bei unserem Spaziergang entdecken wir mehrere Werke.

Über die Kirkgatan, hier gestalten gerade Schüler die Steinmauern zum Hafenbecken neu, geht es weiter auf die andere Seite von Vardø nach Vesterhågen. Es gibt einige Geschäfte, kleine Restaurants, einige Cafes, aber nirgends ein Fischgeschäft, in welchem fangfischer Fisch aus den vielen Fischerbooten zum Verkauf angeboten wird. Bei der Strandgatan nehmen wir kurz die kostenlose VE-Station in Augenschein, bevor wir die Hauptstrasse bis zum Inselende weiterlaufen, wo wir von einem Rastplatz einen Blick auf die Vogelinseln Reinøya und Hornøya werfen können. Über die Aussichtsplattform Klondyke und die Vardo Kirche geht es über die Festung Vardo zurück zum Stellplatz. Während einer Pause kündigt ein Schiffshorn die Ankunft eines Hurtigruten Schiffes an. Für und geht es im Anschluß auf zur letzten Etappe der Varangerroute, nach Hamningberg. Dieser Abschnitt hat es in sich, denn die Straße wird immer schmaler und die Landschaft schroffer. Hamingberg ist ein ehemaliges Fischerdorf am Ende der Welt, wo heute zahlreiche Sommerhäuschen stehen. Im Winter ist die Straße gesperrt. Die Fahrt ist spektakulär und auf der Rückfahrt entdecken wir auf dem Eismeer Wale.

Da es einfach nicht dunkel wird fahren wir weiter, verlassen die Varanger Halbinsel und machen uns auf in Richtung Grense Jakobselv, ein Ort an der norwegisch-russischen Grenze.

225. Vardø Juni 2026

11.06.2026

Was für ein schönes Wetter, damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet und mit diesem im Gepäck, steuern wir auf die erste Routenempfehlung zu, den Rastplatz Gornitak auf dem wir übernachtet haben. Gornitak bedeutet „Aufstieg“ und in dem alten, restaurierten Steingebäude mit den Toiletten, wurde während des Zweiten Weltkrieges Munition gelagert.
Die Varanger-Halbinsel und die angrenzende Region Finnmark waren im Zweiten Weltkrieg ein hochgradig umkämpfter strategischer Hotspot. Wegen der Nähe zur Sowjetunion diente die Region als deutsche Ausgangsbasis für den Angriff auf Murmansk. Heute erinnern Bunker, Denkmäler und Museen an diese dramatische Zeit.
So auch die Holzkirche bei unserem nächsten Stopp in Nesseby. Dieses Wahrzeichen wurde wie durch ein Wunder während des Zweiten Weltkriegs nicht getroffen.
Der Osloer Architekt Christian Heinrich Grosch zeichnete die Nesseby Kirche, die dann im Jahr 1858 in Holzbauweise errichtet wurde. In ihr finden 250 Menschen Platz. Wenn man bedenkt, dass in der gesamten Finnmark etwa 4.500 Menschen leben, ist das eine beachtliche Größe. Die Kirche steht auf einer Landzunge bei Nesseby und als wir diese erkunden, können wir auch eine Schulklasse bei einem Ausflug an den Fjord beobachten. Barfuß oder mit Gummistiefeln, mit Köchern und Eimern bestückt wird im Wasser gespielt, einige wagen sogar unter aufgeregtem Geplansche ein kurzes Bad im Eiswasser.

Wir steuern Ekkerøy an, eine Siedlung mit heute 40 Einwohnern. Unter anderem kann hier die frühere Fischverarbeitungsanlage Kjeldsenbruket mit Laden, Wohnung, Schuppen und Trankocherei, die bis 1960 in Betrieb war, besichtigt werden. Leider hatte das kleine Museum geschlossen. Wir entdecken aber eine offene Fischerhütte vor der zwei Damen sitzen und die Stricknadeln werkeln lassen. Fertiggestellte Schals, Handschuhe und Topflappen hängen zum Verkauf aus. Im kleinen Hafen wird ein Restaurant renoviert und ein weiteres bereitet sich vermutlich auf die abendliche Öffnung vor. Die ganze Anlage steht auf Pfählen, die in den Fjord hineinragen. Wir steuern anschliessend den Vogelfelsen Flåget an. Hier kann man eine umfangreiche Dreizehenmöwenkolonie beobachten. Das ganze Gebiet kann um- und bewandert werden. Dabei stoßen wir auch auf eine große Bunkeranlage,

Auf der weiteren Fahrt nach Vardø ändert sich erneut die Landschaft und geht in eine weite, steppenähnliche Form über. Nicht nur Rentiere tauchen auf und neben der Fahrbahn auf, sondern auch Schafe. Eigentlich wollten wir gar nicht so weit fahren, doch plötzlich geht es geradeaus weiter nach Vardø und ehe wir uns versehen verschluckt uns ein ca. drei Kilometer langer Unterwassertunnel und spuckt uns auf der Insel wieder aus. Unser Stellplatz für die Nacht befindet sich am Steilneset-Denkmal, das an die Opfer der Hexenverfolgung von 1600 bis 1692 in der Finmark erinnert.

224. Varangerbotn Juni 2026

10.06.2026

Es geht weiter. Unser nächstes Ziel ist die Varanger-Halbinsel, weiter östlich in Nord-Norwegen, in der Nähe von Kirkenes und somit fast an der Grenze zu Russland. Die Fahrt führt zu Beginn am gewaltigen Porsangerfjord vorbei, bevor es bei Børselv ins Inland geht. Nur bei Ifjord und Tana Bru kratzen wir erneut an weiteren Fjordspitzen. Obwohl wir weiter als geplant fahren, in ein Gewitter mit ordentlich Regen geraten, begeistert uns diese Fahrt. Was für eine schöne Landschaft. Wir sind froh, nicht direkt nach Finnland gefahren zu sein. Sollten wir noch einmal nach Nord Norwegen fahren, steht der Silfar Canyon hinter Børselv auf der Liste. Diesen haben wir während des Regens verpasst. In Varangerbotn stehen wir auf dem Rastplatz Gornitak direkt am Varangerfjorden. Hier beginnen wir morgen die Fahrt über nördlichste Landschaftsroute Norwegens: Varangen.

223. Nordkap Juni 2026

07.06.2026

Was für eine schöne Fahrt ans Nordkap war das denn bitte?
Die E6 hoch in den Norden zu fahren, einfach toll. Die Route hat bei Skiboton, Birtavarre, Storslett. Sørstraumen, weiter bis nach Alta so schöne Fjorde zu umfahren, dass es ein Genuss war. Dazu waren wir praktisch alleine. Einfach unbeschreiblich diese Landschaft mit den hohen Felsen die den Fjord umgeben, gespickt mit Schneefeldern und Wasserfällen, die das Schmelzwasser nach unten peitschen. An den Ufern kleine Häuser, Boote und viel Natur. Hinter Alta ändert sich die Landschaft, wird ruhiger, weiter. Die Felsen am Ufer des Reppafjordelva und des imposanten Porsangen Fjorden sehen aus wie gesplitterter Blätterkrokant. Bevor wir die Insel Magerøya erreichen, an deren Spitze das Nordkap ist, müssen wir noch den ca. 7 km langen Nordkaptunnel durchfahren, der die Insel mit dem Festland verbindet. Steil geht es nach unten durch die Barentsee bevor wir bei Ilmanäkymä wieder ans Licht kommen. Wir fahren zunächst bis nach Honnigsvåg, wo noch einmal getankt wird und anschliessend zur Touristinformation, die leider geschlossen hat. Hier wollen wir eine Nordkapmitgliedschaft erwerben, die lebenslang gültig ist und freien Zutritt ins Nordkapmuseum beinhaltet. Das müssen wir dann eben morgen erledigen. Wir erhaschen noch einen Blick auf ein Schiff der Hurtigrouten die hier vor Anker liegt und weiter geht es zum CP Nordkap-Camping, unser Stellplatz für die nächsten drei Tage.
Da das Wetter ideal ist, starten wir nach der Anmeldung durch bis zum Nordkap. Es sind ca. 24 km durch eine baumlose, felsige Landschaft, durch eine schroffe Felsküste begrenzt. Überall sprenkeln Schneefelder die Landschaft, sieht aus wie die Kuhflecken-Schoki einer bekannten Schokimarke. Dann tauchen unerwartet grosse Herden von Rentieren auf, die in der Nachmittagssonne eine Verdauungspause halten. Zwischendurch auch Rad fahrende Nordkapsuchende mit Bio-Bike, die gut 300 HM bis zum Ende der Welt erklimmend. Respekt! Und dann sind wir da. Mit Rudi suchen wir die stählerne Weltkugel auf und lassen uns erst einmal ablichten. Dann telefonieren wir rum und geniessen anschliessend nur noch diese einzigartige Atmosphäre am Rande der Barentsee.

08.06.2026

Wir starten in den Tag mit einer Fahrt in den Osten der Insel Magerøya. Hier liegt die kleine Fischereistadt Honningsvåg. Der Hafen ist zudem Haltepunkt der Hurtigruten sowie weiterer, kleinerer Passagierschiffe. Es gibt einige Restaurants in denen Königskrabben angeboten werden, ein Kulturhaus und ein Polarmuseum sowie kleinere Geschäfte.
Im hiesigen Rema 1000 erstehen wir einige Lebensmittel und die ersehnten Bamse Mums (süße Bärchen), bestehend aus Marshmallows in Bärchenform mit Schokiüberzug. In der Touristinformation im Hafen wollen wir eine Nordkapmitgliedschaft eingehen, die preiswerter ist als der Eintritt ins Museum am Nordkap und zudem lebenslang gültig ist. Leider ist dies nur noch möglich wenn man zuvor den Eintritt am Nordkap gelöst hat. Also dann erst einmal Hafenrundgang und anschließend nach Gjesvær. Der kleine Fischerort liegt im Nordwesten der Insel. Er lockt viele Angler und Vogelbeobachter an. Zwischen den vorgelagerten Schären und Inselchen bietet der Vogelfelsen Gjesværstappan vielen Vogelarten, wie z.B. Papageientauchern, Kormoranen, Trottel- und Dickschnabellummen Schutz vor dem Eismeer. Weiter bevölkern Seeadler, Tordalks und Eissturmvögel den Felsen, der als Naturreservat geschützt ist. Der Felsen selbst kann nur von organisierten Bootstouren angesteuert werden. Aktuell kostet ein Turn über 1,5 Std. ca. 119€ p.P.!
Für uns geht es anschliessend erneut ans Nordkap und dort in das Museum. Der Eintritt beträgt aktuell ca. 67,76€. Auf Nachfrage zur Mitgliedschaft teilt man uns hier mit, dass dies nicht mehr möglich sei🧐. Der Eintritt umfasst das Museum, einen Panoramafilm, eine Kapelle, einen burmesischen Tempel und eine Cave of Lights sowie ein Restaurant und einen Shop. Die Höhe des Eintritts steht dabei in keinem Verhältnis zum Angebot, zumal Eintritt für Shop und Restaurant schon fragwürdig ist. Das Ticket hat zwar eine Gültigkeit von 24 h, aber ein weiterer Besuch ist nicht lohnenswert, zumal das Nordkapgelände frei zugänglich ist. Einzig Parkgebühren sind zu entrichten und ein Ticket ist sechs Stunden gültig.
Die einzigartige Atmosphäre, die raue Landschaft und die Mitternachtssonne lassen sich auch ohne Museum besuchen.

09.06.2026

Den Tag verbringen wir mit einer weiteren Erkundungstour um die Insel. Wir besuchen den kleinen Fischerort Kamøyvær. Eva Schmutterer hat den beschaulichen Fischerort in ihrem Buch: Hier wo die Welt zu Ende ist, beschrieben. Die Künstlerin lebt seit 1997 auf der Insel, kreiert Bilder in einer ungewöhnlichen Papier-Collagentechnik und stellt diese in Ateliers in Kamøyvær und Honningsvåg aus. Anschliessend machen wir eine längere Pause beim Aussichtspunkt Tufjorden, mit Spaziergang zu weidenden Rentieren und Drohnenflug, besuchen das Dorf Skarsvåg, das als das nördlichste Fischerdorf der Welt bezeichnet wird. Fisch kann man allerdings nirgends erstehen, nur in einem kleinen Restaurant verzehren. Bei der Speisekarte die an der Eingangstür aushängt dominiert die Königskrabbe. Ausser einigen weiteren WoMos wirkt der Ort ausgestorben. Fischerboote liegen vertäut im Hafen und wir machen Angebote für div. Angelsafaris und ein Angelcamp aus, ansonsten ist alles still. Am Abend unternehmen wir einen Spaziergang am CP vorbei und folgen einer Schotterpiste, die uns über Hügel zu drei Rentieren und später ans Wasser zu einem Anlegesteg führt. Mittlerweile ist Nebel aufgezogen und die absolut stille Atmosphäre erhält eine leicht spuky Variante.