07.06.2026
Was für eine schöne Fahrt ans Nordkap war das denn bitte?
Die E6 hoch in den Norden zu fahren, einfach toll. Die Route hat bei Skiboton, Birtavarre, Storslett. Sørstraumen, weiter bis nach Alta so schöne Fjorde zu umfahren, dass es ein Genuss war. Dazu waren wir praktisch alleine. Einfach unbeschreiblich diese Landschaft mit den hohen Felsen die den Fjord umgeben, gespickt mit Schneefeldern und Wasserfällen, die das Schmelzwasser nach unten peitschen. An den Ufern kleine Häuser, Boote und viel Natur. Hinter Alta ändert sich die Landschaft, wird ruhiger, weiter. Die Felsen am Ufer des Reppafjordelva und des imposanten Porsangen Fjorden sehen aus wie gesplitterter Blätterkrokant. Bevor wir die Insel Magerøya erreichen, an deren Spitze das Nordkap ist, müssen wir noch den ca. 7 km langen Nordkaptunnel durchfahren, der die Insel mit dem Festland verbindet. Steil geht es nach unten durch die Barentsee bevor wir bei Ilmanäkymä wieder ans Licht kommen. Wir fahren zunächst bis nach Honnigsvåg, wo noch einmal getankt wird und anschliessend zur Touristinformation, die leider geschlossen hat. Hier wollen wir eine Nordkapmitgliedschaft erwerben, die lebenslang gültig ist und freien Zutritt ins Nordkapmuseum beinhaltet. Das müssen wir dann eben morgen erledigen. Wir erhaschen noch einen Blick auf ein Schiff der Hurtigrouten die hier vor Anker liegt und weiter geht es zum CP Nordkap-Camping, unser Stellplatz für die nächsten drei Tage.
Da das Wetter ideal ist, starten wir nach der Anmeldung durch bis zum Nordkap. Es sind ca. 24 km durch eine baumlose, felsige Landschaft, durch eine schroffe Felsküste begrenzt. Überall sprenkeln Schneefelder die Landschaft, sieht aus wie die Kuhflecken-Schoki einer bekannten Schokimarke. Dann tauchen unerwartet grosse Herden von Rentieren auf, die in der Nachmittagssonne eine Verdauungspause halten. Zwischendurch auch Rad fahrende Nordkapsuchende mit Bio-Bike, die gut 300 HM bis zum Ende der Welt erklimmend. Respekt! Und dann sind wir da. Mit Rudi suchen wir die stählerne Weltkugel auf und lassen uns erst einmal ablichten. Dann telefonieren wir rum und geniessen anschliessend nur noch diese einzigartige Atmosphäre am Rande der Barentsee.
08.06.2026
Wir starten in den Tag mit einer Fahrt in den Osten der Insel Magerøya. Hier liegt die kleine Fischereistadt Honningsvåg. Der Hafen ist zudem Haltepunkt der Hurtigruten sowie weiterer, kleinerer Passagierschiffe. Es gibt einige Restaurants in denen Königskrabben angeboten werden, ein Kulturhaus und ein Polarmuseum sowie kleinere Geschäfte.
Im hiesigen Rema 1000 erstehen wir einige Lebensmittel und die ersehnten Bamse Mums (süße Bärchen), bestehend aus Marshmallows in Bärchenform mit Schokiüberzug. In der Touristinformation im Hafen wollen wir eine Nordkapmitgliedschaft eingehen, die preiswerter ist als der Eintritt ins Museum am Nordkap und zudem lebenslang gültig ist. Leider ist dies nur noch möglich wenn man zuvor den Eintritt am Nordkap gelöst hat. Also dann erst einmal Hafenrundgang und anschließend nach Gjesvær. Der kleine Fischerort liegt im Nordwesten der Insel. Er lockt viele Angler und Vogelbeobachter an. Zwischen den vorgelagerten Schären und Inselchen bietet der Vogelfelsen Gjesværstappan vielen Vogelarten, wie z.B. Papageientauchern, Kormoranen, Trottel- und Dickschnabellummen Schutz vor dem Eismeer. Weiter bevölkern Seeadler, Tordalks und Eissturmvögel den Felsen, der als Naturreservat geschützt ist. Der Felsen selbst kann nur von organisierten Bootstouren angesteuert werden. Aktuell kostet ein Turn über 1,5 Std. ca. 119€ p.P.!
Für uns geht es anschliessend erneut ans Nordkap und dort in das Museum. Der Eintritt beträgt aktuell ca. 67,76€. Auf Nachfrage zur Mitgliedschaft teilt man uns hier mit, dass dies nicht mehr möglich sei🧐. Der Eintritt umfasst das Museum, einen Panoramafilm, eine Kapelle, einen burmesischen Tempel und eine Cave of Lights sowie ein Restaurant und einen Shop. Die Höhe des Eintritts steht dabei in keinem Verhältnis zum Angebot, zumal Eintritt für Shop und Restaurant schon fragwürdig ist. Das Ticket hat zwar eine Gültigkeit von 24 h, aber ein weiterer Besuch ist nicht lohnenswert, zumal das Nordkapgelände frei zugänglich ist. Einzig Parkgebühren sind zu entrichten und ein Ticket ist sechs Stunden gültig.
Die einzigartige Atmosphäre, die raue Landschaft und die Mitternachtssonne lassen sich auch ohne Museum besuchen.
09.06.2026
Den Tag verbringen wir mit einer weiteren Erkundungstour um die Insel. Wir besuchen den kleinen Fischerort Kamøyvær. Eva Schmutterer hat den beschaulichen Fischerort in ihrem Buch: Hier wo die Welt zu Ende ist, beschrieben. Die Künstlerin lebt seit 1997 auf der Insel, kreiert Bilder in einer ungewöhnlichen Papier-Collagentechnik und stellt diese in Ateliers in Kamøyvær und Honningsvåg aus. Anschliessend machen wir eine längere Pause beim Aussichtspunkt Tufjorden, mit Spaziergang zu weidenden Rentieren und Drohnenflug, besuchen das Dorf Skarsvåg, das als das nördlichste Fischerdorf der Welt bezeichnet wird. Fisch kann man allerdings nirgends erstehen, nur in einem kleinen Restaurant verzehren. Bei der Speisekarte die an der Eingangstür aushängt dominiert die Königskrabbe. Ausser einigen weiteren WoMos wirkt der Ort ausgestorben. Fischerboote liegen vertäut im Hafen und wir machen Angebote für div. Angelsafaris und ein Angelcamp aus, ansonsten ist alles still. Am Abend unternehmen wir einen Spaziergang am CP vorbei und folgen einer Schotterpiste, die uns über Hügel zu drei Rentieren und später ans Wasser zu einem Anlegesteg führt. Mittlerweile ist Nebel aufgezogen und die absolut stille Atmosphäre erhält eine leicht spuky Variante.