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Author : Rudi-on-Tour

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223. Nordkap Juni 2026

07.06.2026

Was für eine schöne Fahrt ans Nordkap war das denn bitte?
Die E6 hoch in den Norden zu fahren, einfach toll. Die Route hat bei Skiboton, Birtavarre, Storslett. Sørstraumen, weiter bis nach Alta so schöne Fjorde zu umfahren, dass es ein Genuss war. Dazu waren wir praktisch alleine. Einfach unbeschreiblich diese Landschaft mit den hohen Felsen die den Fjord umgeben, gespickt mit Schneefeldern und Wasserfällen, die das Schmelzwasser nach unten peitschen. An den Ufern kleine Häuser, Boote und viel Natur. Hinter Alta ändert sich die Landschaft, wird ruhiger, weiter. Die Felsen am Ufer des Reppafjordelva und des imposanten Porsangen Fjorden sehen aus wie gesplitterter Blätterkrokant. Bevor wir die Insel Magerøya erreichen, an deren Spitze das Nordkap ist, müssen wir noch den ca. 7 km langen Nordkaptunnel durchfahren, der die Insel mit dem Festland verbindet. Steil geht es nach unten durch die Barentsee bevor wir bei Ilmanäkymä wieder ans Licht kommen. Wir fahren zunächst bis nach Honnigsvåg, wo noch einmal getankt wird und anschliessend zur Touristinformation, die leider geschlossen hat. Hier wollen wir eine Nordkapmitgliedschaft erwerben, die lebenslang gültig ist und freien Zutritt ins Nordkapmuseum beinhaltet. Das müssen wir dann eben morgen erledigen. Wir erhaschen noch einen Blick auf ein Schiff der Hurtigrouten die hier vor Anker liegt und weiter geht es zum CP Nordkap-Camping, unser Stellplatz für die nächsten drei Tage.
Da das Wetter ideal ist, starten wir nach der Anmeldung durch bis zum Nordkap. Es sind ca. 24 km durch eine baumlose, felsige Landschaft, durch eine schroffe Felsküste begrenzt. Überall sprenkeln Schneefelder die Landschaft, sieht aus wie die Kuhflecken-Schoki einer bekannten Schokimarke. Dann tauchen unerwartet grosse Herden von Rentieren auf, die in der Nachmittagssonne eine Verdauungspause halten. Zwischendurch auch Rad fahrende Nordkapsuchende mit Bio-Bike, die gut 300 HM bis zum Ende der Welt erklimmend. Respekt! Und dann sind wir da. Mit Rudi suchen wir die stählerne Weltkugel auf und lassen uns erst einmal ablichten. Dann telefonieren wir rum und geniessen anschliessend nur noch diese einzigartige Atmosphäre am Rande der Barentsee.

08.06.2026

Wir starten in den Tag mit einer Fahrt in den Osten der Insel Magerøya. Hier liegt die kleine Fischereistadt Honningsvåg. Der Hafen ist zudem Haltepunkt der Hurtigruten sowie weiterer, kleinerer Passagierschiffe. Es gibt einige Restaurants in denen Königskrabben angeboten werden, ein Kulturhaus und ein Polarmuseum sowie kleinere Geschäfte.
Im hiesigen Rema 1000 erstehen wir einige Lebensmittel und die ersehnten Bamse Mums (süße Bärchen), bestehend aus Marshmallows in Bärchenform mit Schokiüberzug. In der Touristinformation im Hafen wollen wir eine Nordkapmitgliedschaft eingehen, die preiswerter ist als der Eintritt ins Museum am Nordkap und zudem lebenslang gültig ist. Leider ist dies nur noch möglich wenn man zuvor den Eintritt am Nordkap gelöst hat. Also dann erst einmal Hafenrundgang und anschließend nach Gjesvær. Der kleine Fischerort liegt im Nordwesten der Insel. Er lockt viele Angler und Vogelbeobachter an. Zwischen den vorgelagerten Schären und Inselchen bietet der Vogelfelsen Gjesværstappan vielen Vogelarten, wie z.B. Papageientauchern, Kormoranen, Trottel- und Dickschnabellummen Schutz vor dem Eismeer. Weiter bevölkern Seeadler, Tordalks und Eissturmvögel den Felsen, der als Naturreservat geschützt ist. Der Felsen selbst kann nur von organisierten Bootstouren angesteuert werden. Aktuell kostet ein Turn über 1,5 Std. ca. 119€ p.P.!
Für uns geht es anschliessend erneut ans Nordkap und dort in das Museum. Der Eintritt beträgt aktuell ca. 67,76€. Auf Nachfrage zur Mitgliedschaft teilt man uns hier mit, dass dies nicht mehr möglich sei🧐. Der Eintritt umfasst das Museum, einen Panoramafilm, eine Kapelle, einen burmesischen Tempel und eine Cave of Lights sowie ein Restaurant und einen Shop. Die Höhe des Eintritts steht dabei in keinem Verhältnis zum Angebot, zumal Eintritt für Shop und Restaurant schon fragwürdig ist. Das Ticket hat zwar eine Gültigkeit von 24 h, aber ein weiterer Besuch ist nicht lohnenswert, zumal das Nordkapgelände frei zugänglich ist. Einzig Parkgebühren sind zu entrichten und ein Ticket ist sechs Stunden gültig.
Die einzigartige Atmosphäre, die raue Landschaft und die Mitternachtssonne lassen sich auch ohne Museum besuchen.

09.06.2026

Den Tag verbringen wir mit einer weiteren Erkundungstour um die Insel. Wir besuchen den kleinen Fischerort Kamøyvær. Eva Schmutterer hat den beschaulichen Fischerort in ihrem Buch: Hier wo die Welt zu Ende ist, beschrieben. Die Künstlerin lebt seit 1997 auf der Insel, kreiert Bilder in einer ungewöhnlichen Papier-Collagentechnik und stellt diese in Ateliers in Kamøyvær und Honningsvåg aus. Anschliessend machen wir eine längere Pause beim Aussichtspunkt Tufjorden, mit Spaziergang zu weidenden Rentieren und Drohnenflug, besuchen das Dorf Skarsvåg, das als das nördlichste Fischerdorf der Welt bezeichnet wird. Fisch kann man allerdings nirgends erstehen, nur in einem kleinen Restaurant verzehren. Bei der Speisekarte die an der Eingangstür aushängt dominiert die Königskrabbe. Ausser einigen weiteren WoMos wirkt der Ort ausgestorben. Fischerboote liegen vertäut im Hafen und wir machen Angebote für div. Angelsafaris und ein Angelcamp aus, ansonsten ist alles still. Am Abend unternehmen wir einen Spaziergang am CP vorbei und folgen einer Schotterpiste, die uns über Hügel zu drei Rentieren und später ans Wasser zu einem Anlegesteg führt. Mittlerweile ist Nebel aufgezogen und die absolut stille Atmosphäre erhält eine leicht spuky Variante.

222. Senja (N) Juni 2026

05.06.2026

Es geht weiter: für Thomas Richtung Solingen und für uns Richtung Nordkap. Dazu verlassen wir Jokkmokk nach einem kleinen Einkauf und stellen uns auf einen Fahrtag ein. In Nordschweden passieren wir die Minenstädte Galliväre und Kiruna, treffen zwischendurch immer wieder auf Rentiere. Hinter Kiruna ändert sich die Landschaft. Die Wälder lichten sich, in der Ferne blinken die ersten Berge auf, deren Spitzen mit Schneefeldern bedeckt sind, das Schmelzwasser stürzt in kleinen Wasserfällen in die Tiefe und später in die umliegende Seenlandschaft. Der Blick wird weiter, der Fels/ die Steine schroffer und das Thermometer steigt bis auf 23 Grad. Ortschaften tauchen nur wenige auf, vereinzelt sehen wir größere, runde Pferche, die wahrscheinlich für Rentiere genutzt werden. Die Grenze zu Norwegen überqueren wir ohne Halt und nachdem wir den Grenzpass hinter uns gelassen haben, liegen die typischen kleinen Holzhäuschen in der kargen, mit Fels durchzogenen Seenlandschaft vor uns. Wir lassen Narvik praktisch links liegen und verfolgen die Route nach Alta, von der wir bei Andselv auf die 86 zur Insel Senja abbiegen. Unser Ziel: der Trollparken bei Nessan. Auf der Fahrt nach Senja tauchen immer wieder Schilder auf, die auf bestimmte Plätze im Zusammenhang mit der Schlacht um Narvik im 2. Weltkrieg hinweisen. Narvik war und ist ein bekannter Eisenerzhafen, in dem das Eisenerz aus Kiruna verschifft wird. Über die berühmte Erzbahn (Malmbanan) wird das Eisenerz aus den Minen in Kiruna (Schweden) zum eisfreien Hafen Narvik transportiert und dort in die ganze Welt verschifft. Am 9. April 1940 überfällt die Wehrmacht die neutralen Staaten Norwegen und Dänemark. Mit dem Unternehmen „Weserübung“ soll die deutsche Eisenerz-Zufuhr gesichert und der Zugang zum Atlantik erhalten werden.

07.06.2026

Den ganzen Tag cruisen wir um die Fjordfinger dieser schönen Insel. Senja ist die zweitgrösste Insel Norwegens und liegt ca. 350 km nördlich des Polarkreises.
Die dem Meer zugewandte westliche Seite ist felsig und stark zerklüftet und durch eine wunderschöne Fjordlandschaft geprägt. Die wenigen Fischerorte befinden sich in geschützten Buchten oder auf Schären, z.B. Husøy. Die dem Festland zugewandte Ostseite hat eher ausgeglicheneren Charakter und ermöglicht Land- und Waldwirtschaft.
Am Abend kommen wir in Botnhamn an und verpassen die Fähre nach Brensholmen auf Kvaløya. Wir übernachten im Hafen und überlegen morgen direkt ans Nordkap durchzustarten.

221. Jokkmokk (S) Juni 2026

03.06.2026

Noch einmal Schweden. Es geht nach Jokkmokk in der nordschwedischen Provinz Norrbottens Län und der historischen Provinz Lappland am nördlichen Polarkreis. Der Ort ist das Zentrum der samischen Kultur in Schweden, das mehrere Schulen und Ausbildungszentren umfasst.
Wir machen einen Stopp bei den Kenforsen, kleineren Stromschnellen bei Pejala, passieren immer wieder einzelne Gruppen von Rentieren und fahren den Minenort Galliväre an, bekannt für seinen Erz- und Kupferabbau. Der Vorort Malmberget musste aufgrund massiver abbaubedingter Erdeinbrüche komplett nach Galliväre umgesiedelt werden. In Jokkmokk bleiben wir für zwei Nächte auf dem CP Arctic Camp.

04.06.2026

Am Vormittag besuchen wir das Ájitte-Museum im Zentrum von Jokkmokk.
Ájtte ist Hauptmuseum für die samische Kultur, Spezialmuseum für die Natur der skandinavischen Gebirgskette und ein Informationszentrum für Gebirgstouristen. Das Museum wurde am 15. Juni 1989 eröffnet.
Das Wort Ájtte kommt aus dem Lulesamischen und bedeutet Vorratsspeicher. Und dieser „Vorratsspeicher“ gibt einen umfassenden Einblick in Kultur und Lebensweise der Samen in Zusammenhang mit Natur und Umwelt, Religion, technischer Entwicklung, Kunsthandwerk, Tradition, Veränderung klimatischer Verhältnisse. Heimische Künstler lassen samisches Kunsthandwerk wieder aufleben und gestalten traditionelle Kleidung, Schmuck, Alltagsgegenstände und Aquarelle. Im angegliederten Museumsshop und der Cafeteria stoße ich auf ein Buch: „Das Echo der Sommer“, geschrieben von der samischen Journalistin Elin Anna Labba. Sie beleuchtet den schmerzhaften Verlust der indigenen Kultur und Heimat. Der Roman verbindet eine tiefgründige Geschichte über Unterdrückung mit Naturgewalten und dem Kampf dreier samischer Frauen gegen die schwedische Staudamm-Politik. Ein spätere Leseprobe macht neugierig.
Nach drei Stunden Museum sind wir hungrig und beschließen nach einem Einkaufsstopp die Tour mit dem Rad Richtung Wald und Fluß Lilla Luleälven fortzusetzen. Bevor wir an den Fluß kommen passieren wir den ersten Stausee Vajkijaure. Dann queren wir die E45 und fahren auf einer Schotterpiste weiter, schlenkern zum Fluß und rasten an einem weiteren kleinen Staubecken. Hier entdecken wir Hinterlassenschaften von Rentier und Elch sowie einen enormen Ameisenhügel. Auf dem Rückweg zur Schotterpiste tauchen dann plötzlich zwei Rentiere auf. Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, ziehen nach einiger Zeit an uns vorbei. Wir queren den Fluß und machen auf der anderen Seite einen Abstecher zu einer restaurierten Flösseranlage, bevor es zurück zum CP geht. Hier bereiten wir unser letztes gemeinsames Abendessen vor. Für Thomas geht es morgen nach 6 Wochen Richtung Heimat.

220. Rovaniemi (FIN) Juni 2026

01.06.2026

Ein kleiner Abstecher nach Gammelstad, dem ursprünglichen Luleå, etwa 10 km vom heutigen Stadtgebiet entfernt.
Gammelstad wurde 1327 das erste Mal nachweislich erwähnt und entwickelte sich
zu einem Marktplatz und Zentrum einer Kirchengemeinde, die damals beinahe ganz Norrbotten umfasste. Schon im 14. Jahrhundert wurde eine Kirche aus Stein erbaut – die größte nördlich von Uppsala – und rund um die Kirche entstand ein Kirchendorf. 1621 bekam der Ort die Stadtrechte. Weil es damals für die Schiffe durch sog. Landhebung immer schwieriger wurde die Stadt abzufahren, wurde er 1649 kurzerhand verlegt. Das Kirchendorf mit seinen alten Holzhäusern gibt es immer noch.

Dann kommt Finnland. Und wenn man schon hier oben ist, muß man an den nördlichen Polarkreis und ins Weihnachtsmanndorf.

219. Luleå Mai 2026

31.05.2026

Am Vormittag verlassen wir Piteå in Richtung Luleå, nur ein kleines Stück weiter auf der E4 Richtung Norden. Im hiesigen Hafen sind noch freie Stellplätze für WoMo‘s vorhanden, die via app gebucht werden können. Die Nutzung von Küche, Sanitäranlagen (mit Sauna) sowie Waschmaschine/Trockner erfolgt über einen Code am jeweiligen Zugang und ist incl. .
Die Altstadt von Luleå befindet sich gute 10 km von der jetzigen Stadt entfernt und ist UNESCO Weltkultuerbe. Da der ganze Komplex der sog. Kirchstadt aber um 16:00 h schließt, heben wir uns dieses Ziel für den morgigen Tag auf. Dann eben ins Teknikenhus an der TU. Wie sich herausstellt, ist dies ein Museum für Kinder, an dem wir aber auch unseren Spaß haben. Hier ist alles echt und in fast in Lebensgröße: Truck, Flugzeugcockpit, Holzlastbagger, Sägewerkzentrale, Papierherstellungsmaschine, Supermarkt, Ausstellungen Leben im Wald, Erzgewinnung bei Kiruna mit Schacht, Wasserkreislauf und, und, und. Tecknik lebensnah und zum Ausprobieren, einfach toll. Die kleinen Besucher testen, tüfteln, staunen, probieren und trainieren konzentriert an den div. Simulatoren im Flugzeug, dem Truck oder der Lok.
Nach diesem unerwartetem Museumsbesuch schauen wir uns die Innenstadt an, auch hier haben die Geschäfte sonntags geöffnet. Anschliessend fahren wir noch ein Stück am Ostseeufer bis zum Norrbottonteatern entlang. Vorbei an kleinen Stränden, Picknicktischen mit Feuerstellen, Fitnessgeräten und einer Sauna, alles frei zugänglich.
Zum Abendessen gibt es heute Fischburger. Der Seelachs kommt dabei in einen Bierteig und wird dann ausgebacken – jam, jam.

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