14.12.2025
Wir werden heute praktisch mit Sonnenschein und 21 Grad geweckt. Das Wetter hat sich beruhigt, der Wind Geschichte und das Meer mit sanften Wellen. Daher beschließen in Richtung La Frontera weiter zu fahren, um uns die einzige Ver- und Entsorgungsstation dieser Insel anzuschauen. Zu Beginn geht es die 11 km wieder zurück nach El Pinar, dem Sitz einer weiteren Verwaltungseinheit dieser Insel. Hier angekommen erreichen wir bereits 800 Höhenmeter. Hinter dem Ort biegen wir links ab, da wir erneut auf dem kommunalen CP Hoy Mocillo vorbei schauen wollen. Als wir diesen erreichen sind wir bei 1200 Höhenmetern angelangt und 11 Grad Außentemperatur. Der CP ist weiterhin abgesperrt. Wir treffen aber einen Ranger der uns mitteilt, dass der Platz aufgrund einer Wetterwarnung weiterhin geschlossen ist. Die Spuren des rauhen Wetters der letzten zwei Tage sind hier deutlich zu sehen. Überall sind abgeknickte Kiefernzweige, große Pfützen und Kiefernnadelverwehungen auszumachen. Wann der Platz wieder geöffnet wird ist von der aktuellen Wetterentwicklung abhängig. Für eine Nutzung müssen wir uns tatsächlich im Cabildo von Valverde oder El Pinar anmelden.
Weiter geht es nach La Frontera. Hierzu nehmen wir eine Route die uns noch höher hinaufführt und uns plötzlich im Nebel weiter fahren lässt. Nebelschwaden wabern zusätzlich über die Fahrbahn. Wir durchqueren eine Hochebene und anschliessend geht es langsam bergab. Vorbei am Mirador de la Peña, von dem man einen grandiosen Blick auf die Ebene bei La Frontera und die Westküste hat. Weiter geht es auf der HI-5 und durch einen fast 3 km langen Tunnel, der uns praktisch im Tal wieder ausspuckt. Zurück bleibt eine imposante Gebirgswand, die diese Ebene umgibt. Wenig später erreichen wir unser Ziel für heute La Maceta, ein Küstenabschnitt zum Baden, Wandern und Picknicken. Etwas umständlich entdecken wir die Ver- und Entsorgungsstation incl. Stellplatzmöglichkeit. Spontan entschliessen wir uns dazu hier einige Tage stehen zu bleiben.
15.12.2025
Für heute haben wir uns fest vorgenommen ein wenig spazieren zu gehen. Direkt vor unserer Nase beginnt ein überschaubarer Küstenwanderweg nach Las Puntas. Das liegt praktisch unterhalb der Tunnelein- und ausfahrt durch den Risco de Tibataje.
Das Tal von La Frontera, welches diesen Küstenabschnitt umgibt, ist durch einen gewaltigen Vulkanbergrutsch, der zur Hälfte ins Wasser abrutschte entstanden und hat so ein weitläufiges Tal gebildete. Diese Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Da El Hierro im Vergleich zu den anderen kanarischen Inseln mit ca. 2 – 3 Mio. Jahren ziemlich jung ist, haben sich nur im Nordosten einige tiefer eingekerbte Barrancos (Schluchten) gebildet. Bei unserem Spaziergang an der Küste sind wir immer wieder fasziniert von der Größe des Vulkanberges. Die über 1200 m hohen Felswände ragen vor uns empor, das Ende in Wolken gehüllt.
Der Weg führt durch eine irre Lavalandschaft, in der sich das grün der Pflanzen knallig vom schwarz der Lavastränge abhebt. Auf unserem Weg begegnen uns die Kanaren-Ampfer, die oleanderblättrige Klinie und etwas das aussieht wie Wermutskraut. Neben der Vegetation die in dieser kargen Landschaft gedeiht, sind die Klippen und Lavaformationen die ins Meer laufen einfach umwerfend zu bestaunen. Zwischendurch laden Holzterassen mit Sitzmöglichkeiten zum Verweilen ein und so kommen wir nur gemächlich weiter. In Las Puntas angekommen schauen wir uns noch das bis vor einigen Jahren kleinste Hotel der Welt, das Punta Grande, an. Es verfügt nur über 4 Zimmer und liegt auf einer kleinen vom Meer umspülten Landzunge. Hunger und Durst treiben uns weiter die Siedlung hinauf, bis ins Restaurante Lays. Hier geniessen wir frische Tintenfischringe mit Krautsalat und Pommes Frites, Gambas in Aioli und Brot mit einer selbstgemachten Butter. Nach fast fünf Stunden kehren wir fröhlich erschöpft zum Stellplatz zurück.
16.12.2025
Nach etwas Arbeit sehen wir uns gegen Mittag die andere Seite der Küste genauer an. Dabei landen wir am Charco de los Sargos. Bis wir an die natürlichen Meerwasserpools gelangen ist ein beachtlicher Weg nach unten zurückzulegen. Schade, dass das Wetter nicht mitspielt. Es ist zu windig, das Meer aufgewühlt und die rote Fahne verbietet den Aufenthalt im Wasser. Eine Erfrischung in so einer Kulisse wäre einfach spektakulär und würde den Aufstieg verzögern. Oben angekommen streifen wir im Anschluss durch das Gelände. Vorbei an einem Flughafen für Rettungshubschrauber, an Plantagen mit Ananas und Bananen sowie einer Pflanze mit grossen herzförmigen Blättern die wir nicht zuordnen können und Feldern mit Napiergras. Und dann entdecken wir etwas, was wir schon im Hafen von La Restinga gesehen haben, viele bunte Cayocos – Flüchtlingsboote und leere Benzinkanister. Beim Näherkommen stellen wir fest, dass wir uns auf einem Reststoffhof befinden und bereits von einem Mitarbeiter beobachtet werden. Am Ende der Zufahrt stellen wir fest, das der Zugang verboten ist. Wir winken freundlich und gehen zügig weiter bis zur Calle el Mattoral. Hier kommen wir an der Cooperativa Unide mit Supermarkt vorbei, in dem wir schnell noch Kleinigkeiten mitnehmen.
Zurück im Van gibt es ein schnelles Abendessen.
Während Dirk Neuigkeiten der Travel-Youtuber entdeckt, verfange ich mich in einem neuen E-Book: Ohne ein letztes Wort von Reese Witherspoon und Harlan Coben. Ein Buch, welches mich nicht loslässt und daher schon fast gelesen.