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155. La Restinga (El Hierro) Dezember 2025

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155. La Restinga (El Hierro) Dezember 2025

12.12.2025

Kurz nach 08:00 h brechen wir im Regen auf nach San Cristianos im Süden der Insel. Zum Einchecken auf die Fähre nach El Hierro müssen wir um 11:30 h im Hafen sein. Wettersituation und Berufsverkehr im Blick, haben wir ein gutes Zeitpolster und sind bereits nach 10:00 h am Fähranleger. Von der Schlechtwetterfront ist nichts zu spüren. Es ist sonnig bei 22 Grad. Die Fähre der Armas Linie können wir später vorwärts befahren, bleiben aber auch hier an der Rampe mit dem Fahrradträger hängen und schleifen etwas hinauf. Wir entscheiden uns für einen Fensterplatz in Fahrtrichtung rechts und sind gespannt auf die Überfahrt. Und die hat es in sich. Den Hafen haben wir kaum verlassen, beginnt der schwankende Ritt auf den Wellen. Was für ein Seegang. Schaut man links aus den Fenstern, blickt man auf Wasser in Schräglage. Parallelen zum Film „Der Sturm“ mit George Clooney flitzen durch den Kopf. Richtet man sein Augenmerk auf die rechte Fensterseite hebt sich das Schiff, um kurz danach wuchtig in ein Wellental zu krachen. Die ersten Würgegeräusche anderer Reisende sind zu vernehmen, das Personal reicht Tüten und fächelt bei besonders Gebeutelten Luft zu. Ich rutsche ganz tief in meinen Sitz, den Blick nach vorne gerichtet. Dirk schaut angeregt nach draussen und scheint Gefallen an der Fahrt zu finden. Da er keine Lust auf ein Spielchen zur Ablenkung hat, beginne ich kurzer Hand zu singen. Mit „Rudoplh the red nosed rendeer“ und „In der Weihnachtsbäckerei“ halte ich mich bis La Gomera über Wasser. Die Insel nimmt die Wellen, für kurze Zeit verstummen die Würgelaute. Einige Betroffene haben die Tüten nicht optimal getroffen. Jetzt ist die Gelegenheit den Wischmopp zu schwingen. Kaum haben wir die schützende Insel verlassen, geht die Achterbahnfahrt erneut los. Wir knabbern tapfer an einer Nussmischung und ich spoiler Dirk dabei das Ende des Hörbuches „Geheimnisvolle Garrique“. Die letzte Stunde zieht sich wie Gummi. Plötzlich wird die Fahrt ruhiger, die Wellen kommen jetzt von hinten. Und auf einmal ist sie da, Lummerland alias El Hierro, erhebt sich mächtig aus dem Atlantik. Was für ein schöner Anblick. 7. Insel – Check!
Nach dem Anlegen nehmen wir Kurs auf La Restinga im Süden der Insel.

Angekommen. Wir stehen in La Restinga direkt an der Hafenpromenade. Genau hier haben wir 2013 und 2015 bereits unsere Urlaube verbracht und diese kleinste kanarische Insel kennen gelernt.
Zufällig stehen wir genau gegenüber einem Waschsalon, den wir gut gebrauchen können. Nach der Waschaktion gibt es ein Resteessen zum Abendbrot und dann ist Pause angesagt, der Tag war ereignisreich genug.

13.12.2025
Von der Unwetterfront sind wir hier unten wirklich verschont geblieben. Zwischendurch hat zwar die ein und andere Böe am Rudi gezerrt, aber sonst verlief alles ruhig. Am Vormittag gehen wir eine Runde durch den Ort. Hier hat sich in den vergangenen 10 Jahren eine Menge getan und La Restinga hat sich gemausert. Auf keinen Fall in touristischer Sicht, sondern Infrastruktur für die Bevölkerung. Unterhalb der Hafenmauer ist der Lavastrand mit Holzstegen versehen worden, an deren Enden der Zugang zum Meer mit Leitern ermöglicht wird. Am Ende, unterhalb der Calle Maritima, sind Holzterassen zum Sonnenbaden installiert. Gefolgt von einem Strandabschnitt mit feinen, schwarzem Lavasand. Am oberen Ende des Strandes sind überdachte Picknicktische und mehrere Grillmöglichkeiten vorhanden. Der Hafen selbst wird gerade modernisiert, Bootsstege erneuert und erweitert. Der Strandabschnitt im Hafen ist ebenfalls mittels Rundweg aus Holz und Stein erneuert worden.
Auf ihm gelangt man zur Fischhalle, in der täglich fangfrischer Fisch gekauft werden kann. Die ehemals einfache Halle mit Holzständen, hat jetzt einen Verkaufsraum mit Kühltheken.
Am Ende der Kaimauer fallen sofort die vielen Wohncontainer auf. Sie haben einen aktuellen ernsten Hintergrund. Das Rote Kreuz hat hier eine Erstversorgungsstation für Bootsflüchtlinge aus Westafrika geschaffen. Laut proasyl ist die Zahl der Flüchtlinge, die die gefährliche West-Atlantik-Route zur Flucht nehmen seit 2020 stark gestiegen. 2023 wurden 40.000 Geflüchtete gezählt, 2024 sogar 46.000. Zum Vergleich: El Hierro selbst hat ca. 11.000 Einwohner. Für 2025 rechnet man mit insgesamt 15.000 geflüchteten Menschen, die mit sog. Cayocos die lebensgefährliche Fluchtroute über den Atlantik als letzte Chance sehen.

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