Heute schaffen wir es tatsächlich zeitig in die Gänge zu kommen und nehmen die Fähre um 10:30 h nach La Graciosa. Die Nacht war ruhig und der Übernachtungsplatz dicht bei dem Hafenörtchen Órzola. La Graciosa, die Anmutige“, ist eine 27 km2 kleine Insel vor der Nordküste Lanzarotes und somit die zweite kanarische Insel die wir besuchen. Ihre „Hauptstadt“ Caleta del Sebo (Bucht des Vogelmists) erinnert uns sehr an das Griechenland der 80er Jahre, die Zeit scheint irgendwie stehen geblieben. Rund 600 Menschen leben auf der kleinen Insel vor allem vom Tourismus.
Nach einem Kaffee und Brötchen mit Tomaten und Schinken brechen wir auf zu einer 22 km langen Radtour. Diese führt uns vorbei an der Caleta del Morro de Abajo. Hier werden wir direkt von Rangern darin erinnert, nicht mit den Rädern über die vorgegebenen Markierungen zu fahren, da es sich um Naturschutzgebiet handelt. Unsere Reifenspuren werden tatsächlich weggefegt. Es geht weiter. Wir ziehen linksschultrig am Montaña del Mojón vorbei sowie am Montaña Pedro Barba und gelangen zum kleinen Örtchen Pedro Barbo. Hier gibt es einen kleinen Strand und einige Ferienhäuschen, sonst nichts. Einfach herrlich! Wir gehen erst einmal eine Runde ins Wasser und snacken anschließend etwas. Dann geht es wieder auf die Piste und damit meine ich Piste. Parallelen zu einer speziellen Radtour in Griechenland dürfen gezogen werden. Der einzige Unterschied: auf der Insel kann man sich Räder mieten und die Route hier wird sogar empfohlen. Jetzt wird der Untergrund zunehmend sandiger. Wir passieren den Playa Lambra und den Playa de las Conchas. Wahnsinnig schöne, raue Strände, mit Sand und felsigem Untergrund. Die letzte Passage bevor wir am Nachmittag wieder in Caleta del Sebo eintreffen, führt uns ansteigend zwischen den Bergen des El Mojon und Pedro Barba hindurch. Uns tut wirklich schon alles weh. Es war eine sehr schöne, aber auch anstrengende Tour mit dem Rad. Beim nächsten Mal, vlt. zu meinem 70gsten bleiben wir eine ganze Woche hier und erkunden die Insel in aller Ruhe. Wer Natur sucht und kein Chi-Chi ist hier genau richtig. Da wir uns noch einen anderen Stellplatz für die Nacht suchen wollen, geht es nach einer Erfrischung um 16:30 h wieder auf die Fähre zurück. Bei der Rückfahrt begeistert das Licht und die Felsküste Lanzarotes.
Wir haben eine weitere ruhige Nacht in Punta Mujeres verbracht. Während des Frühstücks fing es plötzlich leicht an zu regnen. War aber nur von kurzer Dauer. Nach der Vorbereitung einer neuen Brotvariante, Nussbrot aus Weizenvollkornmehl und dem versuchsweise ansetzen eines Sauerteiges, ging es erneut nach Órzola.
Hier haben wir für morgen Tickets für die Fähre nach La Graciosa gekauft. Hätten wir auch online machen können, aber mit dem analogen Kauf haben wir 6 € pro Ticket und Person sparen können. Selbst unsere Räder können wir mitnehmen. Im Anschluß ging es an den Playa del Caleton Blanca. Hier haben wir den ganzen Nachmittag verbracht. Da das Übernachten im Van leider verboten ist, ging es ein Stückchen weiter der Küste entlang, durch Órzola selbst zum Playa de la Canteria. Es sieht so aus, als ständen wir direkt im Lavagerümpel, welches bis an den Strand reicht. Auf der linken Seite erhebt sich der Bateria, welcher zum Paquero Natural del Archipélago Chinijo gehört. An seinem, zum Atlantik gerichteten Ausläufer, dem Punta Fariones, schaut eine Felsenspitze aus dem Meer, der Farión de Tierra. Das Baden am Strand ist zu gefährlich und daher verboten. Trotzdem tummeln sich Leute im Wasser. Wir müssen hier nur bei Regen vorsichtig sein und abfahren, da der Untergrund sehr lehmig ist.
Nach der Ent- und Versorgung, nutzen wir wiederum den Moment der eingefahrenen Stufe und begeben uns auf den Weg nach El Mojon. Es handelt sich um einen Stellplatz auf einer Hubbelpiste gegenüber dem alten Steinbruch, den wir am Freitag besucht haben. Hier gefällt es uns nicht und wir beschließen nach Punta Mujeres zu fahren, ein Stückchen weiter die Küste gen Norden hoch. Eigentlich kurz hinter Arrieta. Wir stehen hier an einer kleinen Promenade direkt am Meer.
Den weiteren Nachmittag verbringen wir mit Lesen, Häkeln und Brotbacken. Dirk hat sich für heute ein Kartoffelbrot vorgenommen. Am Abend duftet ganz Rudi nach frischem Brot.
Die Trittstufe haben wir out of order gesetzt. Morgen telefonieren wir mit Caravan Kreiser und melden Garantiearbeiten am Kühlschrank und großer Trittstufe an. Für morgen haben wir zuerst einen Spaziergang in den Ort auf dem Plan und im Anschluß die Besichtigung des Manrique-Museums in Haria.
27.10.2025
Obwohl an der Straße übernachtet, war die Nacht ruhig. Zum Frühstück gab es das „fette Kartoffelbrot“-sehr lecker. Und als ich Dirk bei der Morgentoilette nur kurz aus den Augen verloren habe, montiert er plötzlich an der Verschalung des Türholms herum und zerlegt die Verkabelung der Trittstufe. Um es Vorwegzunehmen, wir haben die Magnetkontakte von Schiebe- und Beifahrertür getauscht, so das die Trittstufe der Schiebetür funktionsfähig ist und die der Beifahrertür nicht arbeitet. Evtl. kann Humpi Ende November das passende Ersatzteil mitbringen, wenn wir uns auf Gran Canaria treffen.
Nach der Reparatur geht es auf Ortserkundung. Punta Mujeres ist ein unaufgeregter Mini-Ferienort, mit einem Hauch an Infrastruktur, dafür aber mit vielen Bademöglichkeiten in sog. Charcos, also Meerwasserpools. Baden im offenen Meer ist wegen den vielen kleinen Felsen und der Brandung eher gefährlich. Weiter ging es im Anschluß nach Haria und in das dortige Wohnhaus bzw. Museum von César Manrique, in dem der Künstler von 1988 bis zu seinem Tod 1992 gelebt und gearbeitet hat.
Man läuft praktisch durch das eingerichtete und gestaltete Wohnhaus und hat das Gefühl, jeden Moment einem Bewohner über den Weg zu laufen. Neben der Einrichtung können hier nicht nur Werke von Manrique angeschaut werden, sondern auch Werke befreundeter Künstler wie Miró und Picasso. Anschliessend haben wir Lust auf ein Bad und kehren nach Punta Mujeres zurück. In einem Charco am Ortsanfang stürzen wir uns ins kalte Wasser des Atlantiks und bestaunen danach unzählige Krabben auf den angrenzenden Felsen. Ausmachen können wir rote Klippenkrabben und schwarze Felsenkrabben. Für Morgen haben wir uns ein Ticket für die Besichtigung der Cueva los Verdes online reserviert. Es geht in den Untergrund, in das Innere einer ziemlich großen Lavahöhle. Für die Nacht stehen wir wieder hier an der Straße, ein wenig näher am Örtchen.
28.10.2025
Gleich geht es in den Untergrund🌋, wir besuchen die Cueva de los Verdes, etwas weiter nördlich von Punta Mujeres. Beim Ausbruch des Monte Corona vor 3000 Jahren ist ein 8 km langes Tunnelsystem entstanden, welches sich über die Küste bis zum Atlantikboden erstreckt. Durch diese Lavaröhren floß damals das heiße Magma des ausgebrochenen Vulkans. Nur der Lavatunnel der Kazumare Cave auf Hawai ist noch länger. Die Wasserhöhle bzw. der Jameos del Agua gehört ebenfalls zum Tunnelsystem der Cueva de los Verdes und befindet sich weiter unterhalb der Straße, die uns von Punta Mujeres Richtung Orzola hierhin geführt hat. Die rund 50zig Minuten dauernde Führung durch die Lavaröhre mit ihren unterschiedlichen Gängen und Ebenen hat uns sehr gut gefallen. Hatte ich zuvor erwartet es wird kalt in der Tiefe, wurde ich unten eines Besseren belehrt. Erstaunliche Formationen, unterschiedliche Farben, hervorgerufen durch rotes Eisenoxyd, pechschwarzem Magnesium, Schwefelgelb und weißem Kalziumsulfat. Es geht auf schmalen Gängen weiter, teils unter niedriger Höhe. Als wir weiter ins Innere vordringen, machen wir zunächst einen grossen Krater im Boden aus. Doch was hier aussieht wie ein Loch im Lavagestein ist eine optische Täuschung, hervorgerufen durch Wasser, welches einige Zentimeter tief in der Mulde angelegt wurde. Die spiegelglatte Oberfläche reflektiert die Höhlendecke. Für uns ging die Führung viel zu schnell zu Ende. Wir hätten uns mehr Zeit zum Schauen und Staunen gewünscht.
Nach der Führung ist vor der Ent- und Versorgung sowie Einkaufen. Das erledigen wir in Arrecife. Im Anschluß geht es nach Órzola in den Norden. Kurz vor dem Hafenörtchen, von welchem die Fähren nach La Graciosa gehen, legen wir einen Badestopp am Caleta del Mojon Blanca ein. Eigentlich wollten wir hier auch übernachten, aber mein Bauchgefühl meldet sich und wir fahren zum Übernachten erneut nach Punta Mujeres.
Den Tag haben wir bis zum frühen Abend in Arrieta verbracht.
Dabei stand der Aufenthalt im Meer im Mittelpunkt. Die Wellen waren auch nicht zu verachten. Am Nachmittag sind wir noch auf einen Spaziergang rund um den kleinen Ort Tabyesco aufgebrochen. Rund um den Ort wird auf kleinen Parzellen versucht alles Mögliche auf dem vulkanischen Gestein anzubauen, Bananen, Drachenfrüchte, Mais, vereinzelt Weinreben, Papayas, sogar Olivenbäumchen konnten wir ausmachen. Zum größten Teil wird um die einzelnen Pflanzen ein Schutz aus Gestein oder Holz im halbrund angelegt, um dem Wind und der Erosion zu trotzen bzw. Wärme zu speichern. Zurück im Ort legen wir einen kleinen Halt im Mercado ein, das Abendessen ruft. Aber zunächst machen wir uns abfahrbereit und fahren einige Kilometer nach Teguise. Hier ist morgen der wöchentliche Sonntagsmarkt, der viele Besucher anziehen soll. Wir wollen sehr zeitig dort sein, bevor es richtig voll wird. Und so stehen wir am Rande des Zentrums, neben der Polizeistation und gegenüber dem Stadion. Dort findet unter Flutlicht eine Veranstaltung mit reichlich Musik statt. Ausserdem dringt genau neben uns Musik aus einem Nebengebäude. Es hört sich nach einer Kinderkaraokeveranstaltung an. Kann also interessant werden.
26.10.2025
Die Vorbereitungen für den Sonntagsmarkt beginnen früh. Die Innenstadt wird für den Durchgangsverkehr gesperrt. Lieferwagen und größere PKW‘s laden ihre Waren auf dem Marktgelände aus, parken dann ihre Autos außerhalb. Nach einem frühen Kaffee mit Croissants machen wir uns auf den kurzen Weg ins Zentrum. Wenige Besucher sind unterwegs, die Stände werden gerade fertig aufgebaut. Neben unzähligen Ständen mit Klamotten, Taschen, Sonnenbrillen, Spielzeug, gibt es Stände mit regionalen Produkten sowie mit Kunsthandwerk.
Bevor die Besuchermassen mit Bussen angespült werden, haben wir einen ersten Rundgang beendet und schlendern mit einer gut gekühlten Flasche Wasser durch die Gassen von Teguise. Schnell ist klar, dass wir hier in der Woche noch einmal hinfahren werden. Uns gefallen die alten Gebäude, urigen Cafés und kleinen Läden sowie die Gassen mit ihren Pflastersteinen aus Vulkangestein. Nach und nach füllt sich das Städtchen. Wir gönnen uns noch einen Café Americano und einen Snack. bevor es zurück zum Auto geht. Geplant ist, einen Stellplatz bei El Mojon anzufahren, aber zuvor müssen wir ent- und versorgen. Und während wir den Van abfahrbereit machen, beschließt die neue Trittstufe an der Schiebetür Probleme zu verursachen. Sie schließt nicht mehr. Dann schließt sie wieder, dann nicht, fährt plötzlich aus, ohne dass wir die Schiebetür bewegt haben usw. . Dirk richtet den Kontakt am Holm neu aus. Anschließend fährt sie aus, wenn man die Tür schließt und fährt ein, wenn man sie öffnet. Ich denke schon an Demontage, da fährt sie ohne erkennbare Aktion ein und wir machen, dass wir zur Tankstelle kommen. Hier ist zunächst alles gut, Tür auf – Trittstufe raus. Mittendrin fährt die Stufe ein und wieder aus, ein ständiges Hin- und Her. Nach der Ent- und Versorgung, nutzen wir wiederum den Moment der eingefahrenen Stufe und begeben uns auf den Weg nach El Mojon. Es handelt sich um einen Stellplatz auf einer Hubbelpiste gegenüber dem alten Steinbruch, den wir am Freitag besucht haben. Hier gefällt es uns nicht. Wir beschließen nach Punta Mujeres zu fahren, ein Stückchen weiter die Küste gen Norden hoch. Eigentlich kurz hinter Arrieta.
Eigentlich wollten wir heute in der ehemaligen Inselhauptstadt Teguise den nächsten Übernachtungsstop einlegen, doch ein Platz der uns dafür zusagte wurde nicht gefunden. Deshalb ging es weiter in den Norden an der Küste entlang bis nach Arrieta. Zuvor stand der Tag aber ganz im Zeichen des housekeepings: Ent- und Versorgung, Wäsche waschen, einkaufen. Auf dem Weg nach Arrieta kamen wir dann noch an einem ehemaligen Steinbruch vorbei, der mit seinen Steinformationen zu einem Spaziergang einlud.
Hier in Arrieta stehen wir hinter dem Restaurant La Casa de la Playa fast direkt an einem, für kanarische Verhältnisse, geräumigen Strand.
Arrieta selbst ist ein kleines Ferienörtchen mit einigen Restaurants, Bar‘s und einem Supermarkt. Am anderen Ende des Küstenortes stößt man noch auf einen Fischereihafen und einen Charco zum Baden. Da wir heute keine Lust hatten selbst zu kochen, gab es im oben genannten Restaurant eine Paella mit Weißwein und Bier. Sehr lecker!