Nach gut 163 Tagen sind wir quasi für einen weiteren Boxenstop nach Hause zurückgekehrt. Die vorgezogenen Bundestagswahlen haben uns bereits im Februar in die Heimat geführt. Im Anschluß folgte natürlich ein Wiedersehen mit Familie und Freunden, Vorbereitungen für den Tauchurlaub von Dirk in Ägypten sowie für unsere bevorstehende Route 2, die uns nach Griechenland führen wird. Wir wollen erst einmal in die Wärme und werden Skandinavien für 2026 ins Visier nehmen. Los geht es am 01.05.2025. Erster Halt: Solingen und einem Eipaßstrassenfest mit Familie und alten Nachbarn.
Heute geht es weiter nach Hannover. Hier erhält Rudi sozusagen eine weitere Hüfte sprich Federung. Vorher noch schnell eine ausgiebige Wäsche und dann auf zur FA. Henning, in den den Norden von Hannover, in der Nähe vom Mittelland-Kanal. Die FA. hält extra Stellplätze für Womos bereit und so können wir nach der Ankunft die Umgebung entspannt mit den Rädern erkunden und später im „Treibhaus“ noch ein leckeres Bier geniessen. Am nächsten Morgen geht es für Rudi auf die Bühne und für uns erneut auf die Räder zu einer Tour durch den Grüngürtel von Hannover. Diese hat uns gut gefallen und wir waren sehr angetan von der niedersächsischen Landeshauptstadt. Es lohnt sich auf jeden Fall, hier noch einmal mehr Zeit zum Entdecken einzubringen.
Unsere Woche in Bremen verstrich wie im Flug. Für unseren Aufenthalt wählten wir dieses Mal den Stellplatz zum Kuhhirten, mitten auf einer Insel zwischen Weser und Werdersee. Den werden wir auch für kommende Aufenthalte ins Auge fassen, weil er einfach schöner gelegen ist und sich viel näher am Zuhause der Kinder befindet. In der gemeinsamen Zeit wurden Unmengen von Nudeln mit Pesto verzehrt, das Schwimmbad in Horn getestet, ein Nachmittag auf der Kinder- und Jugendfarm in Huchting verbracht, geradelt, gefroren, die Kiddies aus der Kita abgeholt, Bremen erkundet und ausgiebig im Rudi gespielt. Rundum ein tolles Wiedersehen.
Am gestrigen Sonntag haben wir Troisfontaines gegen Mittag wieder verlassen. Übernachtet wurde auf dem öffentlichen Parkplatz der Gemeinde, an der Rue-de-Entente. Früh am Morgen herrschte hier eine rege Fluktation-ums Eck die Boulangerie des Dorfes. Vor der Abfahrt schnell noch ein Baguette und Croissants erworben und los, ca. 120 km weiter nach Dambach.
Hier stehen wir am Rand der Kommune auf einem Stellplatz der Camping Car Park-Gruppe, nebenan Felder, ein Sportplatz und eine Bike-Anlage für Kinder. Da hier in Frankreich gerade Herbstferien sind, wurde diese gestern Nachmittag gut angenommen und selbst die Kleinsten kurvten gekonnt und temporeich hier durch.
Da ich am Abend zuvor die Rudi-Webseite zerschossen habe, ging der grösste Teil des restlichen Tages mit Wiederherstellungsversuchen vorüber.
28.10.2024
Bonjour…
…und erst einmal Kaffee vorbereiten.
Nach einem Kaffee im Frühnebel, zieht es Dirk in den kleinen Ort. Dort gibt es einen Tante-Emma-Laden, der Lebensmittel, eine Mini-Bäckerei mit Bistro, Zeitschriften, Tabak und eine Post zu bieten hat. Hier werden Baguette und Käse zum Frühstück erstanden. Anschließend wird gefrühstückt. Die Idee, dies bereits im Freien zu veranstalten, wird aufgrund von 8* Aussentemperatur schnell verworfen.
Für den Tag haben wir eine Fahrradtour nach Barr geplant. Laut komoot gute 12 km. Aber zuerst werden wir uns Dambach selbst ein wenig anschauen. Ein sehr schönes, gemütliches Örtchen, mit den für diese Gegend typischen Fachwerkhäusern, die ihren ganz eigenen Charme versprühen. Wir haben zwei Stadtmauern entdeckt, das Hotel de Ville (Rathaus) und etliche Schilder, auf denen ansässige Weingüter auf sich aufmerksam machen. Ähnlich wie an der Mosel, muss man schon genau schauen, ob eine Weinstube oder Restaurant geöffnet hat, um eine kleine Pause einzulegen. Die Route führt uns quer durch die Weinberge. Die Lese ist zwar schon vorbei, aber überall herrscht geschäftiges Treiben. Es wird Laub aus den Rebreihen geholt und die Reben teilweise beschnitten. Es geht über Blieschwiller nach Nothalten. Bei den Steigungen ist entweder die Schiebehilfe oder sind beide Bremsen gefragt. Weiter geht es über Ittersweiler, Andlau und Mittelbergheim nach Barr. Irgendwann fängt Dirk‘s Hinterrad an zu quietschen und zu schaben.
Dambach-la-Ville und der Winzerberg bei Nothalten.Barr
In Barr angekommen, werden die schabenden Geräusche an Dirk‘s Fahrrad immer lauter. Es hilft nichts, hier müssen wir ran. Es stellt sich heraus, dass sich die Radmuttern des Hinterrades gelöst haben, das Rad unrund lief und für das Schaben verantwortlich gewesen ist. Wir legen am Rathaus eine kleine Pause ein, geniessen Baguette und Obst, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen. Zurück am Stellplatz, planen wir bei einem leckeren Kaffee unseren nächsten Stopp. Es geht an den Col-de-la-Schlucht, mitten in die Vogesen.
In der Nacht ist es zu einem kompletten Stromausfall gekommen, obwohl wir am Landstrom hingen. Fehlermeldung auf dem Dometic Display: Batteriespannung niedrig, obwohl die Aufbaubatterien voll sind. Haben den Hauptschalter betätigt und erst einmal alles vom Netz genommen. Nach dem Neustart lief alles wieder.
112 Kilometer weiter sind wir gegen zwei Uhr in Transfontaines im Department Moselle angekommen. Dieses kleine Städtchen zählt ca. 1250 Einwohner. Bekannt geworden ist dieser Ort durch die Herstellung von Uhrenglas und im weiteren Verlauf durch Kristallglas im dazugehörigen Stadtteil Vallerysthal. Die Glashütte ist leider schon geraume Zeit geschlossen. In den ehemaligen Fabrikräumen können aber zu bestimmten Zeiten weiterhin Artikel erworben werden.
Aber deswegen sind wir nicht hier. Durch Zufall habe ich Anfang der Woche entdeckt, dass sich genau hier ein 2CV-Museum befindet. Da ich fast 20 Jahre nicht ausschließlich, aber immer wieder Ente gefahren bin, mussten wir einfach hier hin.
Meine erste Ente habe ich meinem ehemaligen Sportlehrer während des Abiturs für 150,00 DM abgekauft. Er war leidenschaftlicher Surfer, daher hatte er die Ente hinten verlängert, die Heckklappe entfernt und eine Doppeltür angebracht. Der Hammer aber waren die Blumenkästen hinten dran und die Farben weiß und lila, Eigenanstrich.
Leider hat die Liebe zum Wassersport dafür gesorgt, dass ich dieses Modell nach kurzer Zeit wieder abstoßen musste – das Bodenblech bröselte einfach so weg und die hintere Sitzbank drohte durch den Boden zu stoßen.
Darauf folgte eine gelbe Kastenende, die ganz minimalistisch als Mini-Camper ausgebaut wurde. Damit ging es dann auch schon nach Frankreich durch die Pyrenäen und gefühlt auf jeden Schrottplatz wurde nach 2CV-Teilen Ausschau gehalten.
Es folgte eine mittelblaue Ente, eine grüne, eine weiße, eine nagelneue in türkis aus dem Autohaus Ulmen in Düsseldorf, kurze Zeit eine Charlestonente und zu guter Letzt eine in Rot. Anfangs als 2CV 4 mit 25 PS und später als 2 CV 6 mit 28 PS. Klappfenster, Rolldach, der Motor luftgekühlt, Knüppelschaltung, eckige oder runde Scheinwerfer, eine geniale Federung und nur 4 Schrauben, um den Motor auszubauen – aber leider keine 4-Punkt-Gurte zum Befestigen von Kindersitzen. Daher war die in Rot unsere Letzte.
Das Museum – einfach spitze. Es wird durch den Verein „Musèe de la 2 CV“ betrieben und hat ganzjährig jeden Samstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter: www.2cv-museum.com.
Am Donnerstag dann geht es weiter. Toul wird unser nächstes Ziel. Wiederrum eine kurze Etappe und mit einem Stellplatz, den wir über Aire-Camping-Car gefunden haben. Es ist ein kleiner städtischer Stellplatz mit Ver- und Entsorgung, Strom und Frischwasser, auf dem wir den letzten Platz erwischen. Nach einem kleinen Snack zieht es uns in die Stadt, diesmal zu Fuß. Durch eine Stadtmauer gelangen wir hinein, der Zugang ist mit vielen aufgespannten pinken Regenschirmen überspannt. Auch hier der Hinweis zum „Pink Octobre“. Vorbei an kleinen Geschäften und Cafes geraten wir wieder einmal in eine Kirche. Zunächst in die St. Gengoult, die so etwas wie ein Lost Places ist und später in die Kathedrale St. Etienne.
Im dazugehörigen Park machen wir die Bekanntschaft mit Jeanne d`Arc, bevor es wieder ins kleine Zentrum der Stadt geht. Bei einem frisch gezapften Bier genießen wir die Nachmittagssonne und schauen dem überschaubaren, alltäglichem Treiben zu.
Wieder zurück am Stellplatz, zaubert Dirk ein Abendessen (er ist in dieser Woche mit Kochen dran) mit Tomaten, Oliven, Zwiebeln und Hähnchenfleisch im Omnia-Backofen. Dazu gibt es kleine Nudeln und ein wenig roten Wein.
In der Zwischenzeit versuche ich mein Macbook davon zu überzeugen, dass ich die Chefin bin. Gelingt mir leider nur mäßig und so muss das Erstellen gemeinsamer Fotodateien erst einmal hinten anstehen.
25.10.2024
Das Wetter wird immer besser. Es soll bis zu 20 Grad warm werden und wir entschließen uns zu einer Runde um Toul mit dem Rad.
Es geht wieder an der Mosel entlang, zunächst flussabwärts nach Villey-Saint-Etienne und dann durch den Foret Communale dieses Örtchens wieder zurück nach Toul. Rund 35 Kilometer, die wir einfach nur genießen, zwischendurch kleine Pausen zum Essen und Trinken einlegen und nach 4 gemütlich verbrachten Stunden wieder an unserem Rudi ankommen. Zuvor haben wir noch am örtlichen IntermarcheHalt gemacht und die Waschmaschinensituation sowie Parkplatzoptionen eruiert. Morgen ist Waschtag, der Wäschesack ist voll. Sieht alles gut aus. Erster Stopp am 26.10.2024 Intermarche Toul.
26.10.2024
Guten Morgen aus Toul. Wir haben uns früh auf den Weg gemacht. 1.Stopp wie angekündigt der Intermarche bzw. U im Ort. Vorher noch ent- und versorgt, etwas Mitleid mit den Schafen im morgendlichen Nebel auf der Wiese gehabt und dann los. Im hinteren Bereich des Supermarktparkplatzes konnte ein schöner Parkplatz für Rudi belegt werden. Dann auf zum Freiluftwaschsalon. Diese sind in der Regel mit einer 9kg und einer 20kg Waschmaschine ausgestattet sowie einem 20kg Trockner und hier praktisch an jedem großen Supermarkt zu finden. Die Inbetriebnahme hat etwas Zeit in Anspruch genommen, weil ich das Bedienpaneel als Werbetafel ignoriert habe. Irgendwann hat es geklappt und die 9kg Maschine ging für 6€ in Betrieb, incl. Waschmittel. Dauer der mechanischen Reinigung ca. 35 Minuten. Anschliessend noch Wasser, Nutella und Croissant besorgt und dann frühstücken. Gerade läuft der Trockner, was für einen Riesending. Wenn alles wieder in den Schränken ist, geht es weiter nach Troisfontantaine und dort in ein ganz spezielles Museum.
Es zieht uns weiter. Zwar können wir uns immer noch nicht so richtig entscheiden, ob es an die West- oder Ostküste Frankreichs gehen soll und beschließen so, die Schön-Wetter-Front mitzunehmen und in der Region zu bleiben.
Dirk ist fündig geworden und hat den Lac de Madine als nächstes Etappenziel gesetzt. Ein großer Stausee mit div. Stellplätzen, Möglichkeiten zum Wassersport, Wandern, Radfahren, Angeln und Vogelbeobachtungen.
Wir erreichen den See gegen Mittag, nach einer kleinen, knapp einstündigen Fahrt. In der Nachsaison absolut nichts los. Stellplätze ab 7 € für eine Nacht ohne Strom. Hier bleiben wir und testen nicht nur unser Solarequipment, sondern kochen draußen auf dem Deichselkasten, genießen die Ruhe, radeln und erkunden den nächstgelegenen Ort Heudicourt-sous-les-Cotes.
Da wir keine Lust auf große Etappen haben, geht es Richtung Frankreich, zunächst nach Charny-sur-Meuse und hier auf einen Stellplatz, der über die Camping Car Park App im Voraus gebucht werden konnte. Da wir den Hänger dabei haben, muss auf Plätze geachtet werden, die ausreichend große Stellplätze haben und bei den die Mitnahme erlaubt ist.
Wir verlassen Luxemburg nicht ohne zu tanken und anschließend führt die Route uns über Belgien nach Frankreich. Für die Navigation haben wir uns im Vorfeld ein Garmin Navigationssystem zugelegt. Hier ist es möglich die Route nach unseren Fahrzeugdaten zu konfigurieren, was bei einem Gefährt von 4.34 t und einem Anhänger mit einer Zulastung von 1.5 Tonnen äußerst vorteilhaft ist.
Der kleine Ort liegt direkt an der Maas/Meuse, ebenso der Stellplatz. Wir haben Glück und finden noch einen geschotterten Platz.
In unmittelbarer Nähe verläuft die Route Vert vorbei. Die werden wir morgen in Richtung Verdun erkunden.
20.10.2024
Am Vormittag bereiten wir unsere Räder vor und starten in Richtung Verdun. Es geht, wie angekündigt über die Route Vert oder auch EV1 9 France: Verdun – Dun sur Meuse. Laut komoot zunächst gute 9 Kilometer. Ein wirklich beschaulicher Weg. Es ist wenig los. Unterwegs begegnen uns nur einige Spaziergänger und Radfahrer. Was uns sofort auffällt, ist das freundliche „Bonjour“, das bei der Begegnung gewechselt wird.
In Verdun angekommen werden wir auf etliche Läufer und Läuferinnen aufmerksam, die in Richtung Centrum unterwegs sind und einer Route folgen, die durch farbige Markierungen auf dem Asphalt gekennzeichnet ist. In der Ferne ist eine Lautsprecheransage zu vernehmen.
Auch wir folgen diesem Weg und landen im städt. Sportstadion. Hier befindet sich das Ziel dieses Laufevent`s. Es stellt sich heraus, dass diese Aktion im Zusammenhang mit dem „Pink Octobre“ steht – der Monat „Gemeinsam gegen Brustkrebs“. Da sich die Veranstaltung bereits dem Ende nähert, drehen auch wir um und radeln zurück ans Ufer der Meuse/Maas, queren die Uferseite, schlagen etliche Haken aufgrund diverser Einbahnstraßen und landen wir am beinahe höchsten Punkt der Stadt.
Verdun, diese Kleinstadt im Nordosten Frankreichs, ist dafür bekannt, dass hier im Ersten Weltkrieg die Schlacht um Verdun stattfand (21.02.2016). Durch dieses geschichtliche Ereignis geprägt finden sich weitere Zeugnisse dieses verheerenden Krieges: Monument a la Vivtoire et aux Soldatsde Verdun, die Kathedral von Verdun, das Centre Mondial des la Paix (leider z.Zt. wegen Umbauarbeiten geschlossen), das alte Stadttor sowie die unterirdische Zitadelle von Verdun.
Wir landen zunächst in der o.g. Kathedrale. Sie ist die älteste Kathedrale Lothringens und das größte im Kern romanische Gebäude im Osten Frankreichs. Anschließend geht es wieder bergab und wir finden uns anschließend oberhalb des Monumentes de la Victoire et aux Soldats wieder. Von hier oben hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und kann dieses imposante Mahnmal auf sich wirken lassen.
Anschließend starten wir eine Runde in und um die Stadt, erneut mit komoot: La Meuse – Porte Chausee – Runde von La Cite Verte. Hier kommen wir vorbei an diversen grünen Zonen dieser Stadt, durch Wohngebiete, Parks, Naherholungsorte. Landen auf einem Trödelmarkt in einer Multifunktionshalle, wo wir eine Kaffeepause einlegen, bevor wir zur unterirdischen Zitadelle von Verdun gelangen. Hier entscheiden wir uns für eine Besichtigung. Dieses Bauwerkdiente im 1. Weltkrieg als logistische Basis und geschützter unterirdischer Militärposten, in welchem bis zu 2000 Soldaten untergebracht werden konnten.
Man erlebt das Museum mittels unterschiedlicher Stationen und einer Fahrt in einer Gondel mit einer AR-Brille durch die unterirdischen Gänge und verfolgt das Leben in der Citadelle anhand div. Charaktere. Sehr anschaulich gemacht und sehr bedrückend zugleich.
Wieder im Tageslicht aufgetaucht führt uns der weitere Weg oberirdisch an den Bauten und Befestigungsanlagen der Citadelle vorbei und führt uns wieder ans Ufer der Meusezurück, von wo aus wir den Rückweg zum Stellplatz antreten.
Wir verlassen Deutschland in Richtung Berdorf, ein kleiner Ort in Luxemburg, westlich von Echternach und im Müllerthal gelegen. Dieses Tal hat es in sich und ist zum Wandern und Biken ideal geeignet. Das Besondere hier sind die Wälder, welche von kleinen Wasserläufen durchzogen sind, aus denen hohe Sandsteinformationen hervorragen. Es finden sich enge Felspassagen, geheimnisvolle Höhlen und Schluchten. Dieser Hotspot wird nicht ohne Grund „Kleine Luxemburger Schweiz“ genannt.
Im Vorfeld konnten wir einen Stellplatz auf dem „Camping Belle-Vue“ direkt in Berdorf reservieren. Unser Platz war ausreichend bemessen und in unmittelbarer Nähe befindet sich ein Zugang zum Müllertal-Trail B2. Den haben wir uns ausgesucht. Mit rund 6 km Strecke jetzt nicht die Mammutwanderung, aber wir wollen es lieber langsam angehen lassen.
Am Nachmittag drehen wir eine kleine Runde durch das Dorf, vorbei an Rathaus, Kirche und der Tourist Information, sogar eine kleine Epicerie (Lebensmittelladen) entdecken wir.
An der Tourist Information ist eine Bar und ein kleines Restaurant angeschlossen. Die zuvor erworbene Wanderkarte wird bei einem Glas frisch gezapftem Battin ausführlich studiert.
Auf dem Rückweg zum Campingplatz entdecken wir eine als „Büchertauschbörse“ umfunktionierte alte Telefonzelle. Beim Stöbern fiel mir dann das Buch „Die schwarze Sonne“ von James Twining, aus dem Jahr 2008, auf. Hier geht es um den Diebstahl der Engima-Codemaschine aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese wurde von einer Bande aus dem NSA-Museum in Washington entwendet. Das muss mit. Mal sehen, was ich zum Tausch hier ablegen kann.
Ich weiß, klingt vlt. nicht so prickelnd, aber ich lese zurzeit ein E-Book von Alan Parks: Blutiger Januar, erschienen 2018. Hier tritt Detective Harry McCoy auf den Plan, er arbeitet bei der Police in Glasgow in den frühen 70ziger Jahren und hat innerhalb von einer Woche 6 Morde aufzuklären. Die haben es in sich und sind der Grund für eine partielle Schlaflosigkeit meinerseits. Auf das Buch bin ich übrigens aufgrund einer Empfehlung von WDR 2 aufmerksam gemacht worden (die leiden vlt. auch unter Fachkräftemangel).
17.10.2024
Diesen Tag würde ich gerne als Tag der „Wanderstöcke“ in unsere Tourgeschichte eingehen lassen.
Bei der Planung unserer Reisen sind wir diverse Formen der Fortbewegung durchgegangen. Als das Thema auf „Wandern“ gekommen ist, vielen uns unsere Wandererlebnisse auf La Palma zu Beginn 2024 ein. Hier sind wir zwar mit gutem Schuhwerk ausgestattet enthusiastisch drauf los gewandert, aber schon ziemlich bald an unsere Grenzen gekommen, da es wirklich unaufhörlich über Stock, Stein, Bäche und sonst noch was, ach so und bergauf/bergab ging. Wie haben wir uns in dieser Situation Wanderstöcke herbeigesehnt.
Irgendwann war es dann soweit, dass fehlende Equipment wurde gelistet und dann durch Zufall in einem Discounter mit „A“ gefunden. Die Dinger landeten dann in unserem Hänger und wurden am 17.10.2024 das 1. Mal in einen einsatzfähigen Zustand versetzt.
Erste Anwendungsversuche fanden zunächst unter ängstlichen Seitenblicken unsererseits statt. Wir dachten nur, jetzt ist es soweit, das Alter hat uns, wir laufen altersgerecht durch das Gelände. Erst sah es so aus, als würden wir Langlauf simulieren, zwischendurch lockerte sich die höhenverstellbare Befestigung und man knickte so richtig zur Seite weg oder die Dinger versanken im matschigen Terrain. Man muss nur stur genug bleiben, irgendwann hat Mann und Frau es.
Die Tour B2 startete anschließend so richtig an der Tourist Information am Maartbesch (über das e kommen eigentlich noch zwei Pünktchen, kann ich hier aber leider nicht darstellen). Es geht über die Passerelle und den Ruetbeschleff(das e mit zwei Pünktchen) zur Raiberhiel. Weiter zum Adlerhorst in Richtung Wanterbaach und Sievenwschleff(wieder e mit 2 Pünktchen) und über Kasselt zurück zum Einstiegsort: am Maartbesch.
Was soll ich sagen, dieser Ausflug hat sich total gelohnt. Es war so eindrucksvoll durch diese hohen Sandsteinformationen zu wandern, über Hängebrücken zu laufen, an manchen Stellen auf ausgewaschene Steinstufen zu einem Plateau hinaufzukraxeln, kleinen Pfaden zu folgen und einfach diesen herbstlichen Wald zu genießen. Zwischendurch einen kleinen Snack zu genießen und die Atmosphäre aufnehmen zu können. Absolut empfehlenswert und mit Wanderstöcken einfach unschlagbar!
Abends hat Dirk einen Nudelteig vorbereitet (400 g Mehl, 4 Eßl. Olivenöl, 2 Eier und 4 Eßl. Wasser). Dieser wurde nach Ruhezeit mit Nudelholz und entsprechender Unterlage so richtig platt gemacht. Anschließend in dünne, mundgerechte Streifen geschnitten und gekocht. Dazu gab es Pesto und die verbotene Zutat: geriebener Parmesan.
Parallel haben wurde die erste Waschmaschine angeschmissen und der Trockner getestet.
18.10.2024
Der Tag beginnt wieder regnerisch und wir beschließen erst einmal im Rudi zu bleiben und etwas an den Fotos und Videos zu arbeiten.
Am frühen Nachmittag wollen wir uns dann den Aquatower hier in Berdorf anschauen. Die Besichtigungstermine beginnen täglich um 14:00 Uhr und das passt genau in einenTrocken-Slot, ab halb vier ist weiterer Regen angesagt.
Der 55 Meter hohe Aquaturm gibt mit seinen wechselnden, interaktiven Ausstellungen im 10. Stock sowie einer Aussichtsetage im 15. Stock einen interessanten Eindruck in die Welt des Trinkwassers, global wie regional.
Nimmt man auf dem Rückweg von der Ausstellungsetage das Treppenhaus, begegnet man vielen Gestaltungsobjekten großer und weniger großen Künstlern und Künstlerinnen.
Der restliche Tag wird gechillt, es regnet und regnet und regnet.
19.10.2024
Es regnet immer noch und wir beschließen weiter zu fahren. Im Nieselregen werden die restlichen Sachen verstaut: Star-Link, Stromkabel, Fußmatte, Schuhe sowie innen alles fahrsicher zurück in die Schränke, Sitze drehen, Route vorbereiten.
„Wasserdieb“ im Einsatz (Zubehör für alle möglichen und unmöglichen Wasseranschlüsse).
Es ist Dienstag und für heute ist sightseeing angesagt. Wir starten mit den Rädern in Richtung Petrisberg. Von hier aus wollen wir uns einen Überblick von oben verschaffen. Dazu ist aber zunächst eine Fahrradroute nach Google-Maps zu überwinden, die uns wirklich über Stock, Stein, Zaun und Treppen schickt.
Oben angekommen, sind wir ziemlich enttäuscht. Das Panorama nimmt uns nicht wirklich mit. Die hier angebrachten Infotafeln zur Entwicklung von Trier sind informativ und eindrucksvoll gestaltet und wir können z.B. die Porta Nigra oder die Kaiserthermen und Dom von hier ausmachen, aber der Funke springt nicht über.
Das ändert sich leider auch im Verlauf des Tages nicht. Dazu kommt, dass das Radwegenetz durch Trier nicht gut angelegt und ausgebaut ist und wir uns immer wieder auf den engen und viel befahrenen Hauptstraßen fortbewegen müssen.
Im Zentrum angekommen, durchqueren wir den Palastgarten mit seinem kurfürstlichen Palais, geraten in die Konstantin-Basilika und in den Dom zu Trier, machen einen kleinen Abstecher in die Altstadt, bevor uns der kleine Hunger packt und wir bei Currywurst rot/weiß überlegen, wie es weitergeht.
Wir beschließen noch einen Abstecher an das ZurlaubernerUfer zu wagen und so geht es durch die Innenstadt, an der Porta Nigra vorbei ans Moselufer.
Da es immer mal wieder zu regnen beginnt, treten wir die Rückfahrt an. Diese führt uns eine Zeit lang direkt am Moselufer vorbei, bis wir Kurs auf den Stadtteil Olewig nehmen, um wieder an den Standort Im Tiergarten zu gelangen. Dieser Weg führt uns diesmal nicht über Hauptverkehrsstraßen, sondern über kleine Wege, an Kleingartenanlagen und Wohngebieten vorbei zum Stellplatz.
Hier parken wir den Rudi samt Hänger für die morgige Abreise noch einmal um, verstauen die Räder, laden die Akkus auf und bereiten auf Wunsch einer einzelnen Person einen leckeren Kartoffel-Möhren-Eintopf zu.
Start 10.10.2024 – 11:15 h – 14 Grad – Kilometerstand: 50.081
Nach 2,5 Jahren Vorbereitung, haben wir es heute wirklich getan – unsere passive Altersteilzeit werden wir mit Rudi in und um Europa verbringen.
Wo es uns letztlich hinführt, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Was kommt, das kommt und eigentlich stehen aktuell nur drei Stopps fest: Wintrich, Trier, das Müllerthal in Luxemburg und der Col de Bussang in Frankreich, hier entspringt die Mosel.
Danach lassen wir uns durch das Wetter und unsere spontanen Ideen leiten.
Unser Start hat sich dann zeitlich auch etwas verspätet-erstens wurden wir durch den immer wieder einsetzenden Regen am Packen gehindert und zweitens trudelte ein Brief der Rentenversicherung zur Kontenklärung für mich ein. Nachweise aus den Jahren 1987 und 1988 wurden verlangt😬. Briefe der Rentenversicherung und des Finanzamtes werden nicht umgeleitet.
Zuhause musste denn auch noch der Zugang zum Internet eingerichtet werden, weil wir zu früh alle Sicherungen vom Netz genommen haben.
Zwischendurch ist Dirk beim Beladen der Dachbox vom Radkasten gerutscht und hat sich glücklicherweise nur das Schienbein aufgeratscht.
Da wir die zweite Nacht in Folge als fleischgewordene Diebstahlsicherung im Rudi geschlafen haben, musste ein Frühstück hinten anstehen.
Nachdem wir uns von unserer Nachbarin verabschiedet hatten, ging es wirklich los. Erst einmal Gas tanken- ging nicht, da Zufahrt durch alle möglichen Fahrzeuge zugestellt. Ok, weiter Getränke kaufen und belegte Brötchen samt Kaffee zum „Frühstück“.
Das ging, nur leider mit viel Regen von oben. Jacken klitsch-naß, Einkäufe trocken. Und jetzt schnell auf einen Rastplatz. Der nächste im Angebot, die Ohligser Heide😂. Egal!
Anschließend weiter Richtung Mosel und Wintrich.
Zwischendurch folgende Meldung auf dem Mercedes-Display: Zündschlüssel – Batteriestand niedrig – bitte tauschen🤣.
Hier angekommen, wurde schnell klar, dass der von mir viel beschwärmte, ruhige Fluss eine Metamorphose durchlaufen hat: Hochwasser und Teile des Stellplatzes wegen eindringendem Wasser abgesperrt.
Egal, wir stehen praktisch an der Wasserlinie und schauen anderen Campern beim Walnussammeln zu. Einige konnten wir auch ergattern, andere haben sie säckeweise ins Wohnmobil geschleppt.
Abends werden immer noch frische Reste unserer Lebensabschnittsfete zubereitet und nach einem Gläschen Jeudo Aranci, fallen zumindest mir die Augen zu🤣.
Radtour über Bernkastel-Kues nach Graach und weiter zur Burg-Landshut.
11.10.2024
Gegen Mittag sind wir zu einer kleinen Radtour aufgebrochen, die uns zunächst an der Mosel entlang über Brauneberg, Mühlheim und Andel Richtung Bernkastel-Kues führte. Das Hochwasser führte zu einigen Streckensperrungen des Radweges und Umleitungen über Bundesstraßen mussten genommen werden.
An Bernkastel-Kues ging es vorbei Richtung Graach und hier sofort stetig bergauf in den Stadtteil Schäferei, mitten durch die Weinberge. An einigen Hängen wurden noch helle Trauben geerntet. Wir sind hier der Panoramastraße gefolgt, an deren Ende die Steigung nur noch durch Schieben zu bewerkstelligen war – OMG. Sofortiges Deja-vu mit den Erlebnissen auf den Straßen von La Palma. Mittendrin immer wieder die visuelle Bekanntschaft mit Safranschirmlingen gemacht.
Weiter ging es parallel der B50 bis nach Longkamp und von da aus nun stetig abwärts Richtung Burg Landshut. Sichtbare Baustellenabsperrungen wurden hier noch nicht Ernst genommen. Wenig später, mitten in einer zügigen Abfahrt, dann das Stopp-überall aufgetürmtes altes, teeriges Straßenmaterial und ein großer Bagger, der die Durchfahrt unmöglich machte. Sollte hier wirklich kein Weiterkommen möglich sein, wäre derselbe Rückweg für Dirk‘s Akku die Vollkatastrophe gewesen. Die vorherige Dauerbelastung durch den Turbomodus, hätte radeln ohne Unterstützung bedeutet😵💫.
Ein Gespräch mit dem Baustellenleiter verschaffte Abhilfe. Eigentlich sei die ganze Straße gesperrt und auch im weiteren Verlauf durch Barrikaden aus Baustellenmaterial für randalierende Motorradfahrer unbefahrbar gemacht worden. Nach einigem Hin- und Her konnten wir ihn wohl überzeugen, dass wir nicht so ganz in dieses Randaliererprofil passen, obwohl mein Akku 600 Watt hergibt, so dass wir durchfahren konnten. Vorher mussten wir aber versprechen, nie mit ihm gesprochen zu haben, sollten wir im abgesperrten Streckenverlauf aufgegriffen werden. Dazu kam es nicht. Es war eine wirklich spuky Abfahrt über diese verlassene Straße, mit einer kurzen Unterbrechung in Form der angekündigten Straßensperre, über die die Räder geschleppt werden mussten.
Egal, der Weg war frei Richtung Burg Landshut, welche von den Römer im 12. Jahrhundert auf ihrem Weg von Belgien kommend, als Versorgungsstützung in Form einer Höhenburg errichtet wurde.
Der Ausblick von dort und vom dazugehörigem Bergfried, mega.
Da die Sonne sich im fortschreitenden Nachmittag immer weiter aus dem Verkehr zog, wurde die Rückfahrt angetreten. Ca. 10 km bis zum Stellplatz nach Wintrich und der Aussicht auf Kaffee und dem Rest einer wirklich kleinen Schwarzwälder-Kirschtorte.
P.S. Die Batterie des Zündschlüssels konnte am Morgen erfolgreich getauscht werden (Knopfzelle CR2032).
13.10.2024
Wir stehen immer noch in Wintrich und streifen am Vormittag durch die engere Umgebung. Mittlerweile hat sich das Wasser der Mosel wieder weiter zurückgezogen und wir können den Höchststand des Flusses an den Hinterlassenschaften deutlich erkennen.
Da wir uns in unmittelbarer Nähe einer Schleusenanlage befinden, wird unsere kleine Drohne für einen Probeflug gestartet.
Anschließend folgen wir der Moselweinstraße Richtung Weingut Geierslay und biegen geradewegs in einen kleinen Weg durch den Weinberg ab. Dieser führt uns leider in eine Sackgasse, dafür aber auf ein Felsenplateau mit Eingang zu einer Höhle. Die Versuchung ist wirklich groß einen kleinen Blick hineinzuwerfen, aber dazu müssten wir uns kriechend fortbewegen. Heute ist Sonntag-wir lassen es ;). Dafür wird die Drohne aber ein weiteres Mal gestartet.
Am Nachmittag treffen wir Schwägerin und Schwager. Sie befinden sich auf der Heimreise, aus Portugal kommend und legen einen Zwischenstopp in Wintrich ein. Das gemeinsame Wiedersehen wird bei einem Abendessen mit Weinbegleitung ausgiebig gefeiert.
14.10.2024
Heute geht es weiter. Bevor die Reise Richtung Trier startet, verabschieden wir uns noch bei einem gemeinsamen Frühstück in der Unterkunft von Schwägerin und Schwager.
Was für ein toller Auftakt in den Tag, das Foto spricht für sich, oder?