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112. Ancona (I) August 2025

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112. Ancona (I) August 2025

19.08.2025

Die Fährüberfahrt nach Ancona mit der Grimaldi Line war ein etwas anstrengendes Erlebnis, da sich insbesondere die im Preis inbegriffenen Pullmannsitze als normale Autoschalensitze entpuppten, nicht verstellbar und seitlich nicht abgeflacht, sondern mit hochgezogenem Rand versehen. Unsere Sitze befinden sich in der zweiten Reihe und haben tatsächlich noch eine gegenüberliegende Sitzreihe, nicht etwa mit Abstand, sondern sozusagen Knie-an-Knie. Darüber ein riesengroßer Bildschirm für die nächtliche Unterhaltung. Wir deponieren Decken und Kissen auf den reservierten Plätzen und bahnen uns anschließend einen Weg zum Oberdeck. Bei untergehender Sonne und warmen Wind genießen wir die Abfahrt. Auf Wiedersehen Griechenland – wir kommen bestimmt wieder.

An Deck herrscht geschäftiges Hin- und Her. Es macht Spaß zuzuschauen. Bis am Kiosk riesige Boxen, Mikro und ein Hochstuhl aufgebaut werden, gefolgt von einem mittelgroßen Entertainer mit stämmiger Figur. Die musikalische Präsentation beginnt unverblümt und ohne Begrüßung, der Musiker setzt mitten in einem Song (Titel habe ich verdrängt) mit seinem Playback ein. Die Lautstärke seines Vortrages korrespondiert so gar nicht mit der lauschigen Abendstimmung, der Sonnenuntergang wird quasi konsequent niedergesungen. Zeit für uns zu gehen. Es ist zwar noch nicht dunkel, aber auf dem Weg zu den Sitzen auf Deck 5, haben es sich bereits etliche Passagiere auf den Aussendeck´s gemütlich gemacht. Bei den Sitzen angekommen, stellen wir fest, dass diese belegt sind, andere Passagiere liegen kreuz und quer. Unser Falschschläfer wird des Platzes verwiesen, schließlich haben wir reserviert (grins). Tja im Land der Ahnungslosen trifft man schon einmal nicht so angemessene Entscheidungen. Es ist wohl Usus sich irgendwo auf freie Plätze nieder zu lassen, eine erträgliche Schlafposition einzunehmen, ohne auf die Reservierungsnummer zu achten. Wieder was dazu gelernt. Wir richten uns ein und versuchen zu schlafen. Dirk schafft es bis 02:00 Uhr und ich bis kurz nach 04:00 Uhr. Stretching und Schmerzgel für den Rücken sind angesagt. Mittlerweile hat Dirk durch ein unerwartet eingetretenes Lesefieber die komplette Reihe der Sylter Krimi´s sowie den letzten Teil der Kommissar Hübner Reihe hinter sich gelassen und in der Nacht einen Servicemitarbeiter davon abgehalten, den überdimensionalen Fernseher einzuschalten, um eine Footballübertragung zu verfolgen. Danke!

In der Cafeteria genehmigen wir uns einen Kaffee, realisieren die Geräuschkulisse von Menschen, die sich durch konsequentes Hin- und Herlaufen die Nacht vertreiben. Am besten gefallen mir dabei die Brummifahrer. Diese sind mit ihren gefüllten Kühltaschen, Kissen und Schlafsäcken top ausgestattet und scheinen diese Überfahrt zu genießen. Apropos Kühltasche, diese werden auch wir lecker gefüllt bei unserer Fahrt von Cadiz nach Arrecife dabeihaben. Die Preise für Getränke und Speisen auf der Fähre sind sehr hoch und das Angebot nicht appetitlich. 

Nachdem Dirk von der Toilette zurückkommt und detailliert berichtet, wie der aktuelle sanitäre Sachstand ist, ist bei mir akuter Harndrang nicht mehr als zwei Worte. Die Toiletten auf den anderen Deck´s werden als Option ins Auge gefasst.

Nach einem Frühstück vertreiben wir uns die Zeit auf Deck und auf den Sitzen mit Lesen, planen, snacken und spazieren gehen. Kurz vor Ancona entdeckt der Kapitän eine Rettungsinsel im Wasser und vollzieht eine 360° Drehung, um zu checken, ob Hilfe benötigt wird. Dies ist nicht der Fall und wir erreichen wenig später den Hafen von Ancona. Da wir bereits gestern unsere Standposition rückwärts eingenommen haben, können wir heute geradeaus die Fähre verlassen und uns in den Feierabendverkehr stürzen. Unser Übernachtungsziel liegt ein wenig landeinwärts bei Apiro auf einem CP einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Hier werden wir von Giovanni erwartet, der uns einweist und den kleinen Foodtruck für einen Imbiss unsererseits noch geöffnet lässt. Nachdem wir uns eingerichtet haben, werden dort kleine Vorspeisen gezaubert, eine Flasche regionaler Wein entkorkt und dicke Bauernbrote geschmiert. Die Köstlichkeiten genießen wir beim Sonnenuntergang und herrlichem Ausblick auf das im Tal liegende Apiro und fallen anschließend satt und müde ins Bett.

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