Kurz entschlossen an die Costa Calma und oberhalb des Playa Esmeralda gestrandet. Eine sehr schöne Fahrt von Ajuy aus über die FV-105 hierher. Die Landschaft hier im Süden wieder völlig anders. Die Vulkanberge mit Sand ummantelt und hier unter uns feiner Sandstrand. In der kleinen Bar La Palmita direkt unter uns, gab es einen Mittagssnack mit kanarischen Kartoffeln und kleinen gegrillten Salzpaprikas. Anschliessend ein Power-Nap und dann ein kurzes Bad im kalten Atlantik. Dirk hatte vorher noch einen Brötchenteig angesetzt, der wird heute Abend gebacken. Ansonsten haben wir uns hier quasi Strandruhe verordnet. Am Do oder Fr soll es windiger werden, mit wenig Sonne. Da wird dann ein Entsorgungs- und Waschtag eingelegt.
Nach einer Mittagspause legen wir die letzten Kilometer bis Ajuy zurück, wo wir die Cuevas besuchen wollen. In der letzten Woche waren diese wegen des Unwetters gesperrt. Die Höhlen von Ajuy liegen in der Caleta Negra. Diese erhielt ihren Namen wegen des schwarzen Vulkangesteins. In den Steilwänden der sichelförmigen Bucht befinden sich zahlreiche Höhlen, von denen zwei durch einen Treppenweg zu begehen sind. Der Eingang zu den Höhlen befindet sich dicht über dem Meeresspiegel. In die erste Höhle fällt durch eine große Öffnung ausreichend Tageslicht. Ein schmaler Durchgang gibt den Weg zu einer zweiten Höhle frei.
Ganz zu Beginn des Rundganges fallen die Kalksedimente auf, die aus der Kreidezeit stammen sollen und somit zu den ältesten geologischen Zeugnissen der Kanaren zählen. Kalk wurde genau hier bis ins 19. Jahrhundert abgebaut, an Ort und Stelle gebrannt und verschifft. Im Ort selbst zeugen davon noch Verarbeitungsgebäude. Nach den Höhlen schauen wir uns noch ein wenig oben auf den Klippen um, bis wir zum Strand zurückkehren. Ein kühles Estrella folgt im Restaurante Cuevas de Ajuy, bevor wir uns an die Zubereitung des Abendessens begeben: Rosenkohl an Zimt-Süsskartoffel-Pommes.
Sonntag Morgen, kurz vor sieben und wir machen uns fix fertig, um an den Dünenstrand von Corralejo zu fahren. Jetzt ist es an der Straße noch richtig leer und wir können zu Beginn der Grand Playas parken. Nach dem Frühstück geht es an den Strand zum Drachenfestival. Zum Baden ist es uns zu kalt. Es ist bewölkt, die Sonne kommt nicht wirklich durch. Im Laufe des vormittags setzt Nieselregen ein und wir beschließen nach dem Duschen eine Entsorgung einzulegen und dann über die Dünenstraße und Puerto del Rosario und die kurvenreiche FV-30 nach Betancuria zu reisen.
Betancuria ist die alte, historische Inselhauptstadt, welche 1404 von dem adligen Eroberer Jean de Béthencourt und dem Ritter Gadifer de la Salle, mit überwiegend normannischen Siedlern, im Auftrag der kastilischen Krone gegründet wurde. Dem Namen Jean de Béthencourt begegnet man häufig auf Lanzarote und Fuerteventura. Er gilt als Eroberer dieser kanarischen Inseln im 15. Jahrhundert. Auf dem Weg dorthin machen wir im Nebel Halt am Mirador Morro Veloso sowie dem Mirador Corrales de Guize, von dem man einen tollen Blick auf die vulkanische Ebene hat. In Betancuria befindet sich ein Womo-Stellplatz, zwar ohne Ent- und Versorgungsmöglichkeit, dafür mit Picknickplätzen und Strom.
Das Örtchen ist sehr beschaulich, wird aber mit touristischer Infrastruktur ausgestattet. Darunter ein Cafe „La Sombra“, das so schön unter Bäumen angelegt ist, dass wir hier morgen vor der Weiterfahrt unbedingt noch einen Kaffee trinken werden.
17.11.2025
Am Morgen entpuppte sich der kostenlose Stellplatz in Betancuria als wahres Resourcenschätzchen. Kostenloser Strom und Wasser stehen zur Verfügung. Also erst einmal alles Laden, was geladen werden muß und den Wassertank gefüllt. Anschließend geht es auf der FV-30 weiter in Richtung Pàjara. Der Cafe im La Sombra muss warten, so gut wie Alles hat heute in Betancuria geschlossen. Dann eben rauf auf die schmale Berg- bzw. Vulkanstraße. Am Mirador Del Risco del Peñas machen wir Halt. Auch hier ist der Ausblick auf die umliegenden Vulkankegel beeindruckend.
Wie die Atlashörnchen, die in stillen Momenten ohne vorbeisausende Touris, über die Steine huschen. Einige füttert Dirk mit kleinen Apfelstückchen. Es geht weiter, dieses Mal wieder hinunter bis Péjara, wo wir einkaufen. An einem kleinen Platz im Zentrum wird gerade ein Tannenbaumgestell installiert, das komplett mit Granny Squares ausgestaltet ist.
Gegen 11:00 h sind wir startklar. Mit Proviant, genug zu Trinken und Badesachen geht es zum Hafen. Bevor die Fähre ablegt, gönnen wir uns noch einen Americano sowie Cola mit Blick auf das Meer und den Hafentrubel.
Pünktlich um 12:30 h legen wir ab. Die Überfahrt dauert ca. 25 Minuten und das Aussteigen muss aufgrund des Wellenganges recht schnell gehen. Mit den Rädern kurven wir zu Beginn zum El Puertito, eine Art Minihafen mit kleinen Badebuchten, einigen Häuschen und einem Restaurant. Wie die restlichen Kanareninseln ist auch Lobos vulkanischen Ursprungs. Ihren Namen verdankt sie ihren einstigen Bewohnern, den Mönchsrobben. Heute sind sie zwar dort nicht mehr zu finden, aber die Insel ist nach wie vor ein praktisch unberührtes Naturparadies. Wir fahren an einem großen Lagunengebiet vorbei, an dessen Rand ein Holzhäuschen zur Vogelbeobachtung einlädt. Auf dem sandig-steinigen Boden flitzen kleine Eidechsen umher. Überall auf den kleinen Vulkanbergen sitzen als weiße Punkte sichtbar Seevögel. Darunter hauptsächlich Silbermöwen und Gelbschnabelsturmtaucher.
Weiter geht es Richtung Leuchtturm Faro de Martiño im Norden, der bis zum Ende der 60ger Jahre noch bewohnt war. Den höchsten Punkt der Insel, die Montaña de Caldera (127 m), heben wir uns für einen nächsten Besuch auf. Wir schauen uns stattdessen die Salzfelder in der Nähe des Anlegers an. Diese sind zur Salzgewinnung angelegt, aber nie in Betrieb genommen worden. Es geht vorbei an den kleinen Badeorten Las Caleras oder die muschelförmige Bucht La Concha. Eine berühmte Frau dieser Insel ist Josefina Plá, die Tochter eines der Leuchtturmwärter von Lobos Leopoldo Plá. Josefina Plá wurde 1903 auf der Insel geboren, betätigte sich literarisch und wanderte nach Paraguay aus. Sie schrieb dort Poesie und Essays. Der Leuchtturm Faro Martiño zog generell einige angehende Literaten an. Sie zogen sich auf ihm zurück, arbeiteten dort und schrieben hier ihre ersten Werke, mit denen sie in Spanien teils sehr bekannt wurden.
In Corralejo steht zunächst Entsorgung an der Repsoltankstelle an und da auch hier der Schlauch zum Wasser auffüllen für die Reinigung der Campingtoiletten genutzt wird, suchen wir uns eine andere Möglichkeit um Frischwasser zu füllen. An einer Disa-Tankstelle werden wir fündig. Hier kann man nur Wasser tanken und nicht entsorgen. Jetzt aber zu den Dünen von Corralejo und dem Drachenfestival. Wir finden direkt an der Küstenstraße FV-104 einen Parkplatz und nach einem Mittagessen geht es an den Strand, wo Hunderte von Drachen im Wind tanzen. Drachenliebhaber aus aller Welt kommen jährlich hier zusammen, um ihre Drachen zu zeigen. An Motiven, Farben und div. Größen mangelt es nicht. Es sind überwiegend Drachenensemble zu bestaunen, die von einem Pilotdrachen in der Luft gehalten werden.
Nach einem Spaziergang am Strand und einer Abkühlung im Meer geht es zurück zum Bus. Wir suchen uns einen anderen Stellplatz für die Nacht. So direkt an dieser viel befahrenen Küstenstraße wollen wir nicht stehen bleiben. An der Calle de Guirre in einem Wohngebiet werden wir fündig. Anschliessend zieht es uns mit den Rädern in die Stadt. Zuerst an den Hafen. Hier erstehen wir ein Ticket für die Fahrt zur Insel Lobos für morgen 12:30 h. Die Räder können wir mitnehmen. Mit einem Restaurant-Tipp des Fähranbieters geht es zur geschlingelten Hafenpromenade. Wir suchen das Fischrestaurant La Cofradia de Pescadores und werden nach einigem Suchen fündig.
Das Viertel füllt sich, nicht zuletzt wegen einer Drohnenshow, die um 21:30 h beginnen soll. Unser Essen besteht aus einer Fischplatte des Tages, gegrillt, mit Vino Blanco del Casa und Cerveza. An eine Unterhaltung ist zwischenzeitlich nicht mehr zu denken. So viele Menschen und Musik aus jeder Ecke. Als die Drohnenshow beginnt, stellen wir fest, dass wir vom gewählten Standort aus nichts sehen können und versuchen nach dem Bezahlen, irgendwie aus dem wuseligen Altstadtgeschehen zurück in die Peripherie zu gelangen. Und so radeln wir im November bei milden 20 Grad durch dieses lebhafte und bunte Städtchen zur Calle de Guirre und unserem fahrbaren Zuhause.