11.06.2026
Was für ein schönes Wetter, damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet und mit diesem im Gepäck, steuern wir auf die erste Routenempfehlung zu, den Rastplatz Gornitak auf dem wir übernachtet haben. Gornitak bedeutet „Aufstieg“ und in dem alten, restaurierten Steingebäude mit den Toiletten, wurde während des Zweiten Weltkrieges Munition gelagert.
Die Varanger-Halbinsel und die angrenzende Region Finnmark waren im Zweiten Weltkrieg ein hochgradig umkämpfter strategischer Hotspot. Wegen der Nähe zur Sowjetunion diente die Region als deutsche Ausgangsbasis für den Angriff auf Murmansk. Heute erinnern Bunker, Denkmäler und Museen an diese dramatische Zeit.
So auch die Holzkirche bei unserem nächsten Stopp in Nesseby. Dieses Wahrzeichen wurde wie durch ein Wunder während des Zweiten Weltkriegs nicht getroffen.
Der Osloer Architekt Christian Heinrich Grosch zeichnete die Nesseby Kirche, die dann im Jahr 1858 in Holzbauweise errichtet wurde. In ihr finden 250 Menschen Platz. Wenn man bedenkt, dass in der gesamten Finnmark etwa 4.500 Menschen leben, ist das eine beachtliche Größe. Die Kirche steht auf einer Landzunge bei Nesseby und als wir diese erkunden, können wir auch eine Schulklasse bei einem Ausflug an den Fjord beobachten. Barfuß oder mit Gummistiefeln, mit Köchern und Eimern bestückt wird im Wasser gespielt, einige wagen sogar unter aufgeregtem Geplansche ein kurzes Bad im Eiswasser.
Wir steuern Ekkerøy an, eine Siedlung mit heute 40 Einwohnern. Unter anderem kann hier die frühere Fischverarbeitungsanlage Kjeldsenbruket mit Laden, Wohnung, Schuppen und Trankocherei, die bis 1960 in Betrieb war, besichtigt werden. Leider hatte das kleine Museum geschlossen. Wir entdecken aber eine offene Fischerhütte vor der zwei Damen sitzen und die Stricknadeln werkeln lassen. Fertiggestellte Schals, Handschuhe und Topflappen hängen zum Verkauf aus. Im kleinen Hafen wird ein Restaurant renoviert und ein weiteres bereitet sich vermutlich auf die abendliche Öffnung vor. Die ganze Anlage steht auf Pfählen, die in den Fjord hineinragen. Wir steuern anschliessend den Vogelfelsen Flåget an. Hier kann man eine umfangreiche Dreizehenmöwenkolonie beobachten. Das ganze Gebiet kann um- und bewandert werden. Dabei stoßen wir auch auf eine große Bunkeranlage,
Auf der weiteren Fahrt nach Vardø ändert sich erneut die Landschaft und geht in eine weite, steppenähnliche Form über. Nicht nur Rentiere tauchen auf und neben der Fahrbahn auf, sondern auch Schafe. Eigentlich wollten wir gar nicht so weit fahren, doch plötzlich geht es geradeaus weiter nach Vardø und ehe wir uns versehen verschluckt uns ein ca. drei Kilometer langer Unterwassertunnel und spuckt uns auf der Insel wieder aus. Unser Stellplatz für die Nacht befindet sich am Steilneset-Denkmal, das an die Opfer der Hexenverfolgung von 1600 bis 1692 in der Finmark erinnert.
